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 12. Oktober, 1895 - auf See (Jane & Danforth)

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Pantaleon

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BeitragThema: 12. Oktober, 1895 - auf See (Jane & Danforth)   Sa Jan 27, 2018 4:23 pm

Der dritte Tag auf See. Der Himmel war klar, doch die Kraft der Sonne hatte bereits nachgelassen. Die Brise trug kalte Gischttropfen mit sich und erinnerte jeden daran, dass der Sommer auch auf dem Mittelmeer nun vorbei war.

Nach dem anfänglichen Aufruhr der überstürzten Abfahrt war nun endlich etwas Ruhe auf dem Schiff eingekehrt. Waffen waren verstaut, Wunden verbunden. Reverend Danforth überprüfte noch einmal den frischen Verband an seinem linken Arm, der seine letzten Brandwunden bedeckte. Er fühlte nur ein dumpfes Pochen, keinen Schmerz. Seit dem Vorfall in der ägyptischen Wüste hatte er nur noch wenig Gefühl in seinem linken Arm. Er ächzte und stemmte sich in die Höhe. Dann nahm er seinen Stock in die rechte Hand und verließ seine Kajüte.

Vor der Kapitänskajüte machte er Halt. Sein Stock wechselte die Hand, dann klopfte er mit der Rechten zweimal an die Tür.
“Mrs Finnigan?”

Als Danforth klopfte, saß Jane auf der Kante des Bettes in der Kajüte. Sie hatte das Gesicht in den Händen vergraben und die Augen geschlossen. Beim Klang ihres Namens hob sie nur seufzend den Kopf. Es dauerte einen Moment bis sich dazu zwang aufzustehen und die paar Schritte über die wankenden Planken zur Tür herüber zu gehen. Die Hand schon auf der Klinke hielt sie jedoch noch einmal inne um wenigstens ihren Rock zu glätten und einige der kurzen Locken in Ordnung zu bringen. Nach dem Feuer hatte sie ihr gerade beinah wieder schulterlanges Haar hier und da wieder ein wenig stutzen müssen. So lösten sich die Locken ständig aus der sonst so ordentlichen Frisur.


Mit bleichem Gesicht öffnete Jane die Tür. “Was gibt es, Reverend?”

“Es geht um ihre Aktion vor der Beschattung des Gasthauses. Sie wissen, welche ich meine.” Er machte eine Pause. “Darf ich reinkommen?”

Jane nickte und machte einen Schritt zur Seite um dem Reverend Platz zu machen. Sie selbst ging gleich wieder zum Bett und setzte sich wieder.

Danforth zog sich einen Stuhl heran und setzte sich ihr gegenüber. Er wartete einen Moment bevor er sprach. “Möchten Sie mir einmal erklären, warum Sie so ungestüm davongestapft sind?”

“So wie ich das Erinnerung habe, Reverend, bin ich lediglich aufgestanden und habe den Raum verlassen.” Sie machte eine kurze Pause, schüttelte ein wenig den Kopf und seufzte. “Aber lassen wir das einmal bei Seite. Ich war es einfach Leid mir von Ihnen ungerechtfertigte Vorwürfe anhören zu müssen.”

Jane zuckte kurz mit den Schultern. “Ich hätte in der Loge bleiben sollen, dafür entschuldige ich mich.”

“Ungerechtfertigte Vorwürfe? Sie waren es Leid?” Sein Blick verdüsterte sich. “Sagen Sie doch bitte, wenn Ihnen etwas nicht passt. Wir waren dabei, einen Plan auszuarbeiten.”

“In der Tat”, erwiderte Jane mit ruhiger Stimme und richtete sich dabei ein wenig gerade auf. “Wir waren dabei einen Plan auszuarbeiten, woraufhin ich zu bedenken gegeben habe, dass wir nach unseren letzten neuen Erkenntnisse aus Rom es jedenfalls ernsthaft in Betracht ziehen müssen, dass es sich bei diesen sechs Männern eben nicht wie sonst um Kultisten oder die Kabale handeln könnte, sondern um einfache Menschen deren Geist manipuliert wurde und die nicht die geringste Schuld trifft. Und ich bleibe dabei, dass man das hätte ausschließen müssen ehe man sie umbringt bevor sie ihren Auftrag ausführen können.”

“Was haben Sie erwartet, dass ich diesen Männern im Schlaf die Kehle durchschneiden möchte?” Er sah sie etwas irritiert an. “Für wen halten Sie mich?”

“Nein, ich denke nicht, dass Sie zu so etwas in der Lage sind. Aber nichtsdestotrotz hat man darüber geredet sie zu töten. Das wurde in Betracht gezogen und dazu habe ich meine Bedenken geäußert. Und Sie hatten nichts anderes im Sinn als mich zu fragen, woher meine plötzlichen Skrupel kommen was den Tod Unschuldiger angeht. Also bitte, für wen halten Sie mich, dass Sie mir etwas derartiges unterstellen.”

Danforth schüttelte den Kopf. “Wir haben darüber geredet, diesen Leuten zuvor zu kommen ehe sie die Gelegenheit haben, zurück zum Obelisken zu kommen.” Seine Stimme war nicht mehr so gedämpft wie zu Beginn.

“Jemand schlug vor sie auszuschalten, worauf ich fragte, was damit gemeint sei und es wurde klargestellt, dass wir darüber sprachen sie umzubringen.” Jane schüttelte den Kopf. Sie wich Danforths Blick nicht aus, sondern erwiderte ihn mit gerunzelter Stirn. “Und außerdem bin ich nicht gegangen weil dieser Ansatz in Betracht gezogen wurde, sondern wegen Ihrer haltlosen Unterstellung.”

Der Reverend beugte sich etwas zu ihr vor und fuhr mit gezügeltem Ton fort. “Aufgrund der Erfahrungen, die wir bisher mit den Schergen der Kabale gesammelt haben, bin ich nicht davon ausgegangen, dass sie auf freundliches Nachfragen hin ihre Waffen niedergelegt hätten. Also ja, ich war der Überzeugung, dass es zu einem Kampf gekommen wäre und dass es in diesem Kampf Tote gegeben hätte.” Er machte eine kurze Pause, “Und eben deswegen war ich über Ihre Zurückhaltung verwundert. Ich hätte nie im Traum gedacht, dass Ihr Kommentar sich auf einen präventiven Angriff bezog.”

Der Ausdruck auf Janes Gesicht wurde ein wenig weicher. “Dann hätten Sie dem Gespräch ein wenig aufmerksamer folgen sollen, denn ich glaube nicht, dass man ihn in diesem Zusammenhang anders hätte verstehen können.”

“Ach ich bin der, der etwas missverstanden hat? Vielleicht hätten sie dann in der Loge bleiben sollen um es zu erklären. Ihr Verhalten war keineswegs deeskalierend.”

“Ich denke, wir haben beide etwas missverstanden und im Übrigen habe ich mich dafür bereits zu Beginn unseres Gesprächs entschuldigt.”

Er seufzte und lehnte sich wieder ein Stück zurück.
“Jetzt wo wir dieses Missverständnis hoffentlich behoben haben, sind sie denn immer noch der Meinung, ich hätte ungerechtfertigte Vorwürfe gemacht?”

Jane schüttelte den Kopf. “Nein, ich denke nicht.”

Danforth nickte langsam. “Danke. Das beruhigt mich.” Er streckte sein schlechtes Bein und rieb das Knie. “Ich würde hoffen, dass wir uns inzwischen gut genug kennen um einander einschätzen zu können.”

Darauf sagte Jane nichts. Stattdessen rutschte sie auf dem Bett ein wenig zurück, so dass sie sich gegen die Holzwand lehnen und die angewinkelten Beine mit ihren Armen umschlingen konnte. Sie schwieg eine kleine Weile. Als Jane wieder sprach, lag etwas Erdrückendes in ihrer Stimme.

“Sie hatten Recht als Sie einmal zu mir gesagt haben, dass eine Lüge nur eine weitere größere nach sich zieht und dass daraus kaum etwas Gutes entstehen kann.”

Der Reverend legte nachdenklich den Kopf schief und kniff die Augen zusammen. “Welche Lüge genau meinen Sie?” fragte er, relativ entspannt.

“Dass mein Mann seinen eigenen Tod vortäuschen wird, damit er und ich hier an ihrer Seite bleiben können”, antwortete Jane, den Blick auf das Meer vor dem Fenster gerichtet.

“Hmm…” Nachdenklich fuhr er sich übers Kinn. “Es ist eine schwierige Situation… Einerseits würde Offenheit und eine Reise nach Amerika unsere Mission auf unbestimmte Zeit unterbrechen. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass ein Tag mehr oder weniger über das Schicksal von unzähligen Menschen entscheiden kann. Andererseits… Was ist von uns übrig, wenn wir uns nicht an unsere Regeln halten? Spielen weltliche Regeln in solch einer Situation überhaupt eine Rolle?”

“Wären Sie sehr enttäuscht von mir, wenn ich sage, dass es mir hier weniger um das hehre Prinzip als um die ganz praktischen Konsequenzen geht?”

Er schüttelte den Kopf. “Keineswegs. Es ist ganz natürlich. Es sind die weltlichen Konsequenzen, die man zuerst spürt und daher zuerst bedenkt. Man darf das große Ganze dabei nur nicht aus den Augen verlieren.”

Jane nickte beklommen. “Sonst wären wir wohl kaum noch hier, aber am Ende wird uns das wenig nützen. Es ändert nichts an dem was kommen wird und was jetzt getan werden muss, wo dieser Weg nun einmal gewählt wurde.”

“Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's empfangen werdet, so wird's euch werden. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. So sagt der Herr."

“Schön und gut, Reverend. Dann bitte ich Gott also darum, mir die Kraft zu geben neben einer trauernden Mutter zu stehen, die schon ihren Mann auf See verloren hat und bald glauben wird, dass auch ihr Sohn tot ist. Ich bitte ihn um die richtigen Worte damit ich Davids Schwester anlügen kann die mir blind vertraut?”

Sie ließ die Schultern hängen.

“Eine gute Freundin bangt wie ich seit fast einem Jahr um ihren Ehemann, dessen Überreste sie und ich gemeinsam in der Wüste verscharrt haben. Ich werde ihr nie seinen Ring geben können, geschweige denn ihr erzählen was passiert ist. Ich werde meine eigene Familie belügen müssen und vermutlich nur noch einmal wiedersehen. Weil wir hier gerade eine Lüge, ein Geheimnis schaffen, das um jeden Preis gewahrt werden muss.” Jane wandte den Blick vom Meer ab und sah zu Danforth hinüber. “Vor wenigen Jahren habe ich erlebt wie man einem Deserteur den Prozess gemacht hat und ihn hängte. Daran habe ich in den letzten Tagen immer wieder denken müssen.”

Danforth rieb seine Nasenwurzel und schüttelte langsam den Kopf. “Warum sprechen Sie überhaupt dieses Thema an, wenn Sie nicht auf meine Ratschläge hören wollen?” Er seufzte. “Ich bitte Sie um etwas Gottvertrauen und Sie spucken es mir förmlich vor die Füße als ob es wertlos wäre.”

“Das war nicht meine Absicht und wie Sie eben erst sagten, ich würde hoffen, dass wir einander gut genug kennen um den Anderen einschätzen zu können. Ich bin voller Gottvertrauen, aber ich zweifle an den Menschen und ich weiß, dass noch lang nicht jeder auf dieser Welt das bekommt was er verdient.”

Die Stirn in nachdenkliche Falten gelegt, nestelte Jane an einer Falte ihres Rockes herum.

“Glauben Sie, dass es die richtige Entscheidung war?”

“Zweifel sind menschlich. Zweifel an Gott ebenso wie Zweifel an den Menschen. Doch am Ende sind und bleiben wir die Geschöpfe des Herrn. Wer Gott sucht, der wird ihn finden und wer als unwürdig befunden wird, der wird gestraft werden.” Er streckte sich und schenkte ihr einen ermutigenden Blick. “Ich denke, Sie tun das, was Sie tun können und Sie wissen bereits, dass es die richtige Entscheidung war.”

“Ich wünschte dem wäre so, Reverend.”

“Sie werden sehen. Der Herr lässt die seinen nicht im Stich.”
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