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 18. Oktober 1895 - Londoner Loge

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Laura
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BeitragThema: 18. Oktober 1895 - Londoner Loge    Fr Jan 26, 2018 1:07 pm

(London, nachmittags)

Die Haustür der Loge fiel hinter Jane laut ins Schloss. Auch wenn das Wetter in London zu wünschen übrig ließ, war sie froh wieder in der Stadt zu sein. Konstantinopel und Rom waren ihr aufs Gemüt geschlagen. Jane zog Mantel und Schal aus und hängte beides sorgfältig an die Garderobe in der kleinen Eingangshalle. Unter dem Arm trug sie eine Mappe aus schwerem braunen Pergament, die mit einem amtlich aussehenden roten Band verschlossen war.

Auf dem Weg zur Bibliothek nahm sie den Hut ab und strich die gelockten Strähnen zurecht, die sich im Wind auf der Straße gelöst hatten. Jane hatte eine ungefähre Ahnung wo sie David vermutlich würde finden können. Denn seit sie diese Kiste gefunden hatten, war er mindestens genauso neugierig auf deren Inhalt wie sie oder Mosley. Tagsüber wurde die Kiste in der Bibliothek verwahrt. Man ließ sie zu keiner Stunde unbeaufsichtigt.

Die Tür war nur angelehnt. Jane warf einen raschen Blick hinein.

David saß grübelnd am Tisch und hatte diverse Bücher über Geometrie und Kryptographie aufgeschlagen.

Als sie ihren Mann entdeckte, schob Jane sich durch die Tür und ging zu ihm herüber. Sie legte ihren Hut auf einen der herumstehenden Sessel, hielt die Mappe jedoch weiterhin in der Hand.
“Sag bloß, du hast diesen Platz seit heute Morgen nicht verlassen?”, fragte sie und runzelte dabei die Stirn.

“Ich hab mir einen Tee geholt” verkündete David und zeigte auf eine Tasse mit kaltem Tee.
“Und im Bad war ich auch” fügte er grinsend hinzu.

Zur Antwort hob Jane eine Augenbraue und griff nach der Tasse. Als das kalte, süße Gebräu ihre Lippen berührte, verzog sie das Gesicht. Angewidert stellte sie den Tee bei Seite.

“Bist du wenigstens weitergekommen?”

“Wie man es nimmt. Ich weiß zumindest von einigen Sachen, dass sie hier keine Anwendung finden.”

“Das ist besser als nichts”, sagte Jane und versuchte es mit einem aufmunterndem Lächeln.

Sie zog sich einen Stuhl heran, so dass sie jetzt nebeneinander saßen. Mit abwesenden Blick betrachtete sie einen Moment die komplizierten Zahlentabelle in einem der aufgeschlagenen Bücher. Dabei lösten sich immer wieder kurze, gewellte Strähnen aus dem sonst so sorgfältig gestecktem Haar. Seit ihrer feurigen Begegnung mit dem Dschinn hatte Jane es wohl oder übel wieder ein wenig schneiden müssen.

Schließlich legte sie die Mappe vor sich auf den Tisch und schob sie David zu.

Er nahm die Mappe, löste das Band und blätterte kurz durch die Dokumente. Dann nickte er, schloß die Mappe wieder und legte sie neben sich auf den Tisch. Danach wandte er sich wieder den Büchern zu.

Jane musterte David schweigend. Als er die Unterlagen kommentarlos bei Seite legte um weiterzuarbeiten, runzelte sie die Stirn. Sie blieb noch einen Augenblick sitzen, stand dann wieder auf, nahm ihren Hut und ging zur Tür.

~ ~ ~

Einige Minuten später saß Jane selbst an dem Schreibtisch in ihrem Zimmer. Sie hatte ihr Manuskript hervorgeholt um daran zu arbeiten, konnte sich aber nicht recht konzentrieren. Immer wieder wanderte ihr Blick im Raum umher und blieb an Davids Sachen hängen. Verärgert runzelte sie die Stirn. Schließlich warf sie ihren Füllfederhalten ein wenig ungehalten auf das Papier und schnaubte. Tinte rann über die eben geschriebenen Zeilen.

“Hätte er nicht wenigstens irgendetwas dazu sagen können oder zumindest fragen, wie ich mich damit fühle?”

Aber alles was Jane zur Antwort bekam, war die Stille des Zimmers. Unglücklich stand sie auf und ging zu dem kleinen Erkerfenster hinüber. Sie setzte sich hinein, zog die Beine an und schlang die Arme um ihre Knie.

Draußen hatte der Regen zugenommen. Der Garten war in ein tristes Grau getaucht. An Tagen wie diesen schien ein Nebel über der ganzen Stadt zu liegen. Es konnte einem aufs Gemüt schlagen, aber heute dachte Jane, dass das Wetter ihrer Stimmung entsprach. Sie hatte den ganzen Morgen damit verbracht im Westend vor diversen Büros zu warten um immer wieder die Lügen zu erzählen die sie und David sich zurechtgelegt hatten um die Pässe zu bekommen. Als sie am Ende den Lohn ihrer Arbeit in den Händen gehalten hatte, war da keine Erleichterung gewesen. Nur eine seltsame Schwere und das Gefühl es nun endgültig nicht mehr ändern zu können.

Davids militärischer Pragmatismus hatte Jane diesmal auf dem falschen Fuß erwischt.

“Ich bin doch kein Soldat, der einen Befehl korrekt ausgeführt hatte und dem man mit einem Nicken wieder entlassen kann”, murrte sie ihren Stiefeln zu.
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