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 Bridgenshire, 4. Juni 1895 - Danforth & Jane

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Laura
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BeitragThema: Bridgenshire, 4. Juni 1895 - Danforth & Jane   Mo Sep 04, 2017 8:53 pm

Jane und Danforth kauerten im Gebüsch am Rande der Lichtung, wohl verborgen durch das dichte Gestrüpp und doch noch mit einem guten Ausblick auf den schauerlichen Altar.
Durch die graue Wolkendecke war keine Sonne zu sehen und die Tageszeit war schwer auszumachen. Ganz und gar nicht sommerlich.

Die Zeit floss träge dahin wie kalter Honig und die Anspannung in Reverend Danforth ließ langsam nach. Auf der Lichtung und im Wald regte sich nichts. Hier würden sie fürs erste sicher sein bis die anderen sie erreichten. Doch das würde noch dauern. Danforth blickte zu Jane hinüber. Die aus Vorsicht geborene Stille wurde langsam unangenehm.
"Sagen Sie, Mrs Finnigan," begann er leise, "Auf dem Anwesen von Mr Banks... Ich konnte nicht übersehen, dass sie bei allen dieser Schläger auf die Beine geziehlt haben."

Jane stand, den Rücken gegen eine moosbewachsene Eiche gelehnt, im Wald und hatte bis gerade mit einem unergründlichen Blick zum Himmel hinaufgeschaut.
Bei den Worten des Reverends wandte sie ihm den Kopf zu. Zur Antwort runzelte die junge Frau erst einmal die Stirn. "Stimmt." Jane schwieg kurz ehe sie fortfuhr: "Weshalb fragen Sie, Reverend?"

Er blickte wieder hinaus auf die Lichtung. "Sie schätzen das Leben. Egal um wessen Leben es sich handelt. Ich finde das sehr löblich von Ihnen."

Der argwöhnische Ausdruck auf ihrem Gesicht verschwand. "Es macht immerhin einen Unterschied ob ich meine Waffe gegen ein was oder ein wen erhebe."

Ein zustimmendes Schmunzeln huschte über die Lippen des Reverends. "Ja, da haben Sie natürlich recht." Doch der leichtherzige Gesichtsausdruck verflog ebenso schnell, wie er gekommen war. "Doch eine Schusswunde kann immer tödlich sein. Ganz egal wo sie treffen."

Janes graue Augen verweilten auf einem Punkt ein wenig überhalb der rechten Schulter des Reverends. Sie schwieg wieder, strich sich lediglich mit einer abwesenden Geste über den braunen Mantel.
"Ich weiß", antwortete Jane knapp.

Danforth schwieg eine Weile bis er den Mund erneut öffnete. "Warum genau schießen Sie auf die Beine?"

"Weil es das erste Mal war, dass ich auf einen anderen Menschen geschossen habe", erwiderte Jane und sah den Reverend dabei offen an. Aber ihr Blick war schwer.

Der Reverent blickte bedauernd. "Ich verstehe. So etwas ist keine einfache Situation, egal mit welcher Art von Mensch man es zu tun hat. Viele fallen in solch einer Lage auf die einfachsten Überlebensinstinkte zurück und erkennen erst nach vollendeter Tat, was geschehen ist. Ich freue mich, dass Sie einen kühlen Kopf bewahren konnten."

"Aber was macht es denn für einen Unterschied?"
Als sie antwortete, klang ihre Stimme eine Spur schärfer als üblich. "Ich meine, sie sind am Ende doch ohnehin daran gestorben. Am Ende des Tages waren sie tot und ich habe den Abzug betätigt. Wo liegt da bitte der Unterschied zwischen einem kühlen Kopf und Instinkt?"

"Die Frage nach dem Tod und dem Instinkt sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Ein Mensch sollte immer Herr seiner Taten sein. Es wird Momente in Ihrem Leben geben, wenn jede Faser Ihres seins danach schreit, abzudrücken und Sie erst nach der vollbrachten Tat erkennen was geschehen ist." Er brach ab und verharrte. Sein schmerzerfüllter Blick wanderte in die Ferne. Er brauchte einen Moment um sich zusammenzureißen, doch dann fuhr er energisch fort. " Jedes Mal, wenn sie den Abzug ihres Revolvers betätigen müssen Sie sich über die Konsequenzen bewusst sein. Denn Sie sind verantwortlich für alles was Sie tun, ob Sie wollen oder nicht."

Eine kleine Falte hatte sich zwischen Janes Brauen gebildet, während sie den Reverend beobachtete.
"Amen", antwortete Jane und schwieg, beinah als würde sie auf etwas warten.

"In einem Kampf gegen die Kreaturen der Dunkelheit fällt der Griff zur Waffe leicht und in diesen Situationen darf man nicht zögern, mit Feuer und Schwert vorzugehen." Er runzelte die Stirn und schien beinahe eher mit sich selbst zu reden. "Menschen sind schwierig..." Er seufzte. "Jeder wird gleich und unschuldig geboren und geht seinen eigenen Pfad. Und irgendwann sind sie soweit vom rechten Weg abgekommen, dass sie nicht mehr zu retten sind. Doch wann ist dieser Punkt erreicht?" Er seufzte.

"Ich weiß es auch nicht", Jane seufzte resigniert und ließ sich dann am Stamm des Baumes heruntergleiten. Kurz zupfte sie mit gerunzelter Stirn den immer noch hochgesteckten Rock zu Recht.
"Schwierig, ja, ich glaube das ist ein sehr treffendes Wort, nicht wahr? Das Recht würde mich hier wie dort von jeder Schuld freisprechen. Aber das entlastet weder mein Herz noch mein Gewissen."

Danforth schnaubte abfällig. "Ach ja, das Recht." Er schüttelte den Kopf, "Ein System, in dem die Reichen tun und lassen können, was sie wollen und Leute eher eingesperrt werden, weil die Verhaftungsquoten des Quartals noch nicht erfüllt wurden." Er seufzte. "Darauf würde ich nicht viel geben."

Jane zuckte mit den Schultern. "Es macht eh keinen Unterschied. Ich sehe ihre leeren Augen. Ich weiß, dass ich sie getötet habe, selbst wenn ich es nicht wollte." Schweigend presste die ihre Lippen fest aufeinander und suchte den Blick des Reverends. "Aber am schlimmsten ist, dass ich es wieder tun würde. Das ist beinah am schwersten zu ertragen."

Er hob zögernd die Hand, und nachdem sie einen unsicheren Moment auf halber Höhe verharrt hatte, legte er sie Jane beruhigend auf die Schulter. "Das tut mir Leid. Ich kenne den Schmerz, den Sie spüren." Er machte eine Pause. "Es wird nicht besser werden. Mord ist und bleibt eine schreckliche Tat. Doch es wird einfacher. Seien Sie mit sich im Reinen und seien Sie mit Gott im Reinen. Das ist das wichtigste." Er drückte sanft ihre Schulter.

Zur Antwort schenkte sie ihm den Anflug eines zaghaften Lächelns.
"Es ist doch erstaunlich, finden Sie nicht? Wir befahren die Ozeana in unglaublicher Schnelle, die Wunder der Elektrizität erschließen sich uns immer mehr und man sollte doch meinen, dass wir es geschafft haben ein gewisses Maß an Zivilisation zu erreichen. Und doch haben wir nichts dazu gelernt. Und es begab sich, da sie auf dem Felde waren, erhob sich Kain wider seinen Bruder Abel und schlug ihn tot."

Der Reverend nickte. "Stein, Schwert, Flinte, es macht keinen Unterschied. Der Mensch an der Waffe bleibt der Gleiche, und auch die Gründe, warum sie geführt wird."

"Liebe, Hass, Zorn, Neid, Angst, Furcht - daran hat sich wirklich nichts geändert. Aber was wenn Abel den Schlag kommen gesehen hätte? Was wenn er den Arm erhoben hätte um sich selbst zu schützen? Einen Menschen zu töten ist eine Sünde. Mindert es die Schuld, wenn wir einander verteidigen oder das Leben schützen?"

"Mord bleibt Mord. Doch das Gesetz Gottes ist nicht das gleiche wie das weltliche Gesetz. Vor dem Herrn zählt die Tat ebenso viel wie der Grund, weshalb sie begangen wurde, und gegebenenfalls die Reue danach."

"Das will ich auch meinen", antwortete Jane mit fester Stimme.

Der Reverend nickte versichernd, dann schnellte sein Kopf jäh zur Seite, seine Augen auf das Gestrüpp am gegenüberliegenden Rand der Lichtung gerichtet. Irgendetwas bewegte sich dort. Seine Hand fuhr zum Griff des Schwertes an seiner Seite, doch seine Züge entspannten sich schnell, als er die Gestalten erkannte. Arthur und Abbygale. "Na endlich." Murmelte er.

Jane unterdrückte ein Lachen. "Dabei war es gerade doch so lauschig."
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