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 26. Oktober 1895, Loge (Jane & Danforth)

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Pantaleon

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BeitragThema: 26. Oktober 1895, Loge (Jane & Danforth)   Sa Feb 24, 2018 6:01 pm

26. Oktober 1895 (Abend vor dem Aufbruch nach Ägypten)

Draußen vor dem Fenster war der Garten in einen unheimlichen Nebel getraut. Die Schwaden waren so dicht, dass man vermutlich nicht mal die eigene Hand vor Augen würde sehen können. Jane stand am Ende des Ganges. Sie hatte die Arme vor der Brust verschränkt und starrte mit finsterem Blick nach draußen. Hin und wieder änderte sich ihr Gesichtsausdruck plötzlich, fast so als würde sie lebhaftes Selbstgespräch führen. Schließlich seufzte Jane ließ die Arme sinken. Unglücklich warf sie einen Blick den Gang entlang und schloss kurz die Augen. Ohne noch länger zu zögern, wandte sie sich vom Fenster ab. Mit schnellen Schritten ging sie zum Schlafzimmer des Reverends und klopfte entschlossen an die Tür.

Danforth saß an seinem Schreibtisch über seine Notizen gebeugt als das unerwartete Klopfen an seiner Tür ihn aus den Grübeleien riss. Er blickte auf.
“Ja bitte?”

Nach einem kleinen Seufzer öffnete Jane die Tür und trat ein.
“Störe ich?”

“Nein, keineswegs,” er deutete auf den zweiten Stuhl in der schlichten Kammer. “Bitte, setzen Sie sich,” bat er sie. “Womit kann ich helfen?” fragte er interessiert.

Jane nahm mit einem dankbaren Nicken auf dem angebotenen Stuhl Platz. Dann sah sie den Reverend an und lächelte gequält. “Sie könnten mir die Beichte abnehmen.”

Der Hauch eines Schmunzelns huschte über seine Lippen. “Selbstverständlich.”

Ohne etwas zu sagen, schlug sie mit der Hand ein Kreuz.

“Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen.” Er schlug ein Kreuz. “Was liegt Ihnen auf dem Herzen?”

“Nun erst einmal habe ich dies hier viel zu lang vor mir hergeschoben”, begann Jane zögernd. Dabei drehte sie mit den Fingern unruhig an ihrem Ehering. “Ich hatte meine Gründe, aber ich bin nicht stolz darauf, ganz im Gegenteil.”

“Wir waren lange unterwegs und es ist viel passiert. Da ist das wohl zu entschuldigen.”

“Sind Sie auch noch dieser Meinung, wenn ich sage, dass es wohl alleine deswegen war um mir selbst und vor allem Ihnen eine Sünde vorzuenthalten von der ich sehr wohl weiß, dass ich darüber hätte reden müssen?”

Er hob misstrauisch eine Augenbraue und musterte sie einen Moment ehe er antwortete. “Nun… Sie haben gelernt, dass es nichts bringt wegzulaufen und nun sind Sie hier.” Er machte eine Pause. “Das wichtigste ist Ihre Ehrlichkeit.”

“Die Zeit, die man sich selbst etwas vormachen kann, ist sehr begrenzt.” Für einen Moment schloss Jane die Augen, dann stand sie auf und machte einige unruhige Schritte im Zimmer. Sie warf Danforth einen beklommenen Blick zu. “Ich-”, sie verstummte nur kurz. “ich möchte einen anderen Menschen tot sehen und es selbst zu tun, würde mir wohl auch noch Genugtuung verschaffen.”

“Hmmm…” Er sah ihr nachdenklich zu, doch er sagte nichts. Seine Miene war keineswegs missbilligend sondern viel mehr besorgt.

Jane hatte die Arme, wie so oft, vor der Brust verschränkt. “Ich weiß, dass einige Menschen meinetwegen gestorben sind. Doch wir haben nichts anderes getan als uns zu verteidigen oder Schlimmeres zu verhindern. Aber das hier ist anders. Wenn ich ihn töten könnte, ich glaube, ich würde es ohne zu zögern tun, selbst unbewaffnet. Das macht mir Angst, Reverend. Dass ich so etwas auch nur denke, macht mir Angst.”

Danforth nickte langsam. “Ich verstehe…” Er machte eine kurze Pause und richtete sich in seinem Stuhl auf. “Der Tod eines jeden Menschen ist eine schreckliche Tragödie. Ganz egal, was sie in ihrem Leben getan haben. Wie Sie sagten, es sind viele menschen durch unsere Hand gestorben. Es mag ihre gerechte Strafe gewesen sein, und es mag die einzige Möglichkeit gewesen sein, doch nichtsdestotrotz Tragödien. Einen Menschen zu töten aus purem Hass… Das ist etwas sehr anderes.” Er legte die Stirn in Falten und pausierte einen Moment. “Ich nehme an, es geht um den man, der… Ihrem Mann das angetan hat?”

Sie nickte. “Ihm und über einem dutzend guter, aufrichtiger Männer deren Überreste Sie und ich in der Wüste verscharren musste. Sie haben an diesem Tag Fremde begraben. Ich kannte fast jeden von Ihnen und es waren Freunde darunter.” Niedergeschlagen senkte Jane den Blick. Als sie den Reverend wieder ansah, lag ein bitteres Lächeln auf ihrem Gesicht. “Vielleicht könnte ich mit all dem irgendwie meinen Frieden machen. Aber Sie haben Recht. Wenn es um meinen Mann geht, kann ich das nicht.”

“Solche Gräuel… sie wecken Dinge in uns, die wir nie für möglich gehalten hätten. Die nie das Tageslicht erblicken sollten…” Der Blick des Reverends wanderte in die Ferne. “Jesus sagte, wir sollen unseren Feinden vergeben…” Er legte die Stirn in Falten. “Doch wie kann es richtig sein, solch ein Verbrechen ungestraft zu lassen?” Danforth sah sie grimmig an.

“Das habe ich mir auch gesagt”, gestand Jane leise, aber in ihrem Blick lagen Zweifel und Sorge. “Dass es keinen Weg gibt, ihn dem zuzuführen was wir als zivilisierte Menschen eine gerechte Strafe nennen würde.” Sie seufzte. “Aber die schlichte Wahrheit ist, dass ich ihn für das was er getan hat tot sehen will. Ich kann ihm nicht vergeben. Ich kann es einfach nicht.”

Danforth stemmte sich in die Höhe. “Dieser Mann bekommt seine gerechte Strafe in der Hölle durch den Teufel höchstpersönlich und keinen Moment früher.” Er machte eine energische Handbewegung, “Und Sie sind das Werkzeug Gottes, dass ihn dorthin befördern wird,” sprach er und sah ihr dabei fest in die Augen. Doch nach einer Pause änderte sich sein Ton. “Doch das bedeutet keineswegs, dass ich Ihre Mordlust gutheißen kann. Es geht hier nicht darum, ihre Wünsche zu befriedigen, sondern einen Verbrecher zur Strecke zu bringen. Der Mann wird das bekommen, was ihm zusteht und das sollte Ihnen reichen. Wenn Sie ihren Gefühlen in dieser Sache nachgeben dann verfallen sie allein der Versuchung des Teufels und das macht sie so niederträchtig wie die Kreatur, die sie jagen.”

Es war sehr lange her, dass Jane unter dem strengen Blick des Reverends tatsächlich in sich zusammen gesunken war. Matt ließ sie sich auf dem Stuhl nieder und starrte schweigend auf ihre Schuhspitzen. Eine ganze Weile sagte Jane nicht ein Wort. Dann endlich hob sie den Kopf.

“Wie soll das gehen, Hand ohne Herz? Wenn ich es tatsächlich täte”, Jane machte eine kleine, aber wohl merkliche Pause, “wenn ich ihn töte, wie kann ich dabei nicht an meinen Mann denken? Denn wenn ich das tue, ist es dann nicht bloße Vergeltung?”

“Indem Sie diesen Gefühlen nachgeben, verleihen Sie diesem Hakim Jalil die Kontrolle. Das darf nicht passieren. Lassen Sie sich nicht zu Taten verleiten, die Sie nie erwägen würden wenn es nicht um Ihren Mann ginge.”
Er legte ihr eine Hand auf die Schulter. “Führen Sie sich stets vor Augen, warum Sie tun was sie tun. Wollen Sie ihn zur Strecke bringen, weil er dutzende Menschen das Leben gekostet hat? Oder ist es primitive Rache? Es ist oft besser, eine Handlung zu unterlassen als die richtige Tat aus den falschen Gründen begehen.”
Er sah sie ermutigend an. “Ich kann verstehen, dass das Ihnen schwer fallen mag. Aber es braucht viel Stärke, sich eine Schwäche einzugestehen und darin ist keine Schande.”

“Wir werden sehen. So oder so wird es bald zu einem Ende kommen, hoffe ich.” Erschöpft strich Jane sich über die Augen. “Danke.”
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