Organisation und In-Game Diskussionen
 
StartseiteFAQSuchenMitgliederNutzergruppenAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 November - März 1896: Kampf gegen Apophis

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
Pantaleon

avatar

Anzahl der Beiträge : 29
Anmeldedatum : 04.09.17

BeitragThema: November - März 1896: Kampf gegen Apophis   Fr Mai 04, 2018 6:43 pm

7. Dezember 1895 AD, Samstag
Zurück in London. Es gibt viel zu tun. Mrs Harker ist ins Bilde zu setzen. Es gilt nun, die Funde aus der Bibliothek zu sichten und zu übersetzen. Da keiner von uns des Altägyptischen mächtig ist, heißt es nun, zu anderen Kontakten zu greifen.
Warum, warum muss gerade Fräulein Demelune eine Expertin auf dem Gebiet des altägyptischen Heidentums sein? Ich wünschte, es gäbe ein gutes Argument, sie nicht in dieser Recherche zu involvieren. Aber leider ist dies nicht der Fall.
Bis dahin werden wir das Buch in der Villa van Helsing sicher verwahren können. Mosley bleibt zusätzlich vor Ort.

8. Dezember 1895 AD, Sonntag
Demelune kam abends vorbei. Ihre Person hat sich kein Bisschen gebessert, doch sie besaß genug anstand, sich im Zaum zu halten. Wenigstens kann sie uns weiterhelfen und befasst sich mit dem Buch und erspart uns weitere anstrengende Gespräche.
Titel des Buches: „Über die Schöpfung des Re und die Bezwingung des Apophis.“

27. Dezember 1895 AD, Freitag
Jacques und Fräulein Demelune haben nun die Schriften gänzlich übersetzt. Die Schrift des Apophis erzählt von seinem dunklen Wirken und seiner Stadt Nesh Ren’a, die durch Re zerstört und im ewigen Sand vergraben wurde. Apophis wurde weiterhin durch magische Obelisken gebunden und gebannt. Sollten sie fallen so wird Apophis sich von seinen Ketten befreien können.
Der Schlangenkult wird inzwischen genügend Obelisken gesprengt haben um den Zauber hinreichend geschwächt zu haben.
Laut Demelune wird ein befreiter Apophis die Welt in Finsternis tauchen und Seth, den Gott des Hungers und des Todes, wecken. Apophis ist ein Dämon und anfällig für Feuer, da Feuer die Macht Res und der Sonne darstellt.

Für mich ist diese alte Erzählung eindeutig. Mit Apophis kann niemand anderes als Luzifer selbst gemeint sein, der als Schlange den Menschen das Paradies verwehrte. Er wurde von Gott aus dem Himmel geworfen und in die tiefsten Höllen verbannt. Luzifer, der einst der strahlendste unter Gottes Engeln war, ist dadurch zu einer Kreatur purer Dunkelheit verkommen. Seth, der zudem erwähnt wurde, steht für die vier Herolde des Jüngsten Gerichts: Hunger, Tod, Krieg und Eroberung. Denn dies ist es, was der Kult und der Satan auf dieser Welt verbreiten wollen.

28. Dezember 1895 AD, Samstag
Während wir auf die Übersetzung des Buches warteten, habe ich Mosley dabei geholfen, den Ursprung der Lupus-Dei-Legende zu verfolgen. Wie es scheint haben wir die Spur zu einem kleinen Kloster an der Küste zurückverfolgen können. Dort muss eine Art Urschrift der Geschichte aufbewahrt sein.

Fitzgerald… Ich mache Ihn nicht für das verantwortlich für das, was er getan hat. Er ist noch ein Kind. Doch ich bin etwas enttäuscht, dass er nicht früher zu uns kam. Er hätte wissen müssen, dass der Herr Ihn schützen kann vor allem was ihn bedroht. Nicht auszudenken, was noch Schlimmeres hätte passieren können. Ich fürchte, ich werde später noch einmal mit ihm darüber reden müssen.
Vor allem bin ich jedoch erzürnt über unsere eigene Blindheit. Wem kann man vertrauen, wenn nicht unseren eigenen Leuten? Warum haben wir nicht damit gerechnet, dass jemand versuchen könnte, einen Spitzel hier einzuschleichen? Leichtsinnig!

Doch nun ist es nun einmal geschehen und wir müssen den Preis dafür bezahlen. Jack und sein Gesindel wollen also mit uns reden? Nachts. Speaker’s Corner. Dies ist ganz gewiss eine Falle. Doch wenn wir mit einem großen Aufgebot dort auftauchen werden sie die Gefahr wittern und die Flucht ergreifen. Also müssen wir zu fünft gehen. Der Djinn wird uns unsichtbar begleiten. Ich hätte gerne Fitzgerald dabei gehabt, als zusätzliches Augenpaar, das schon einmal mit diesen Gestalten Kontakt hatte, aber die Damen waren entschieden dagegen. Darauf blieb mir keine andere Wahl als einzulenken.
Und wenn es keine Falle ist… Nun, dann ist die Situation noch ernster und diese Kreaturen noch verachtenswürdiger denn je.

Sie waren alle da. Jack, Dracula, Frankenstein, Jekyll, Prometheus. In ihrer ganzen niederträchtigen Pracht. Der Vampir war es, der das Wort ergriff. Er behauptete, der Kult des Apophis hätte sie betrogen und missbraucht. Wie es scheint hat der Kult mit seiner dunklen Magie die alte Riege von den Toten zurück geholt. Dazu das Blutvergießen auf Draculas Friedhof, dazu der Mord an Frankensteins Tochter und wer weiß was noch.
Und jetzt kommen diese Geschöpfe zu uns und bitten um Hilfe. Sie reden zwar von Zusammenarbeit, aber wenn sie so viele hilfreiche Informationen über diesen Kult haben, warum kommen sie dann zu uns? Pah, sie haben in blinder Gier nach alter Größe einen schnellen Pakt mit diesem Kult geschlossen und ernten nun die Früchte dieses Vergehens.
In drei Tagen wollen sie eine Antwort, ob wir auf ihr Angebot eingehen.

29. Dezember 1895 AD, Sonntag
Ich weiß nicht, wie spät es ist. Ich kann weder essen noch schlafen. Gott, gib mir ein Zeichen.
Wie kann es sein, dass wir diesen Handel tatsächlich in Betracht ziehen? Ja, der Kult ist mächtig. Ja, es steht viel auf dem Spiel. Ja, Jacks Schergen könnten uns weiterhelfen, doch zu welchem Preis? Was müssten wir geben für diese Unterstützung?
Alles, sage ich. Alles wofür wir je gekämpft haben. Unzählige Ripper sind bei dem Versuch, diesen verabscheuenswürdigen Herrschaften das Handwerk zu legen, auf grausame Weise gefallen. War ihr Opfer für nichts? Entscheiden wir nun plötzlich, dass Vampire, Monstrositäten und Ketzer frei unter uns leben dürfen?
Es handelt sich hier nicht um ein lang haltendes Friedensangebot. Die Verachtung in Draculas Stimme hat das hinreichend klar gemacht. Es geht um ein temporäres Verharren der Waffen, um eine Gefahr abzuwehren, die uns alle bedroht.
Zweck heiligt nicht die Mittel. Das darf sich auch im Angesicht solcher Hindernisse ändern. Was würde es aus uns machen, wenn wir uns auf das Niveau von Jack und seinen Schergen herablassen?
Doch was für eine Wahl bleibt uns? Sollten wir das Angebot ausschlagen und Apophis besiegen, stehen wir danach geschwächt sofort einem weiteren Gegner gegenüber.

Ich vertraue dem Herrn, dass er stets auf der Seite der Rechtschaffenden steht. Ich weiß, dass wir nicht verlieren, wenn wir reinen Herzens sind und für die gerechte Sache kämpfen. Doch wir stehen dieser Übermacht der Dunkelheit gegenüber, der geballten Macht von Apophis und Jacks Schergen. Mich plagen Zweifel, wie wir diesen Krieg gewinnen sollen. Ich sehe keinen Weg, der einen klaren Sieg verspricht.
Will der Herr uns auf die Probe stellen? Will er sehen, wie wir seinen Lehren folgen und selbst im Angesicht größter Bedrohung nicht von seinem Pfad abweichen?
Oder aber… Will Gott, dass wir selbst sehen? Die Zeit für Vergebung ist für Jacks Brut längst abgelaufen und ich habe wenig Hoffnung, dass sie sich besinnen und in die Arme Gottes zurückkehren, doch es ist die Pflicht eines guten Christen, Hilfe zu leisten wenn sie erbeten wird.

Es wurden in den letzten Jahrhunderten unaussprechliche Taten im Namen Gottes verrichtet. Ich selbst habe unaussprechliche Taten im Namen Gottes verrichtet. Es gibt Dinge, die man nicht tun kann, und dennoch tun muss. Manchmal sind finstere Taten notwendig, um den Plan des Herrn zu wahren.
Gott ist gütig und weise. Gott verdammt nur böse Taten. Unsere Tat mag finster sein, doch wir handeln aus ehrenhaften Gründen.
Ich werde diesem Handel zustimmen. Ich weiß, dass die anderen es längst getan haben und ich weiß auch, dass sie den nächsten Schritt nicht ohne mich tun werden. Ich will in dieser neuen Zeit an ihrer Seite stehen.

Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Pantaleon

avatar

Anzahl der Beiträge : 29
Anmeldedatum : 04.09.17

BeitragThema: Re: November - März 1896: Kampf gegen Apophis   Mi Jun 27, 2018 11:17 pm

5. Januar 1896 AD, Sonntag
Das Problem der reinen Ripper-Technologie will mir keine Ruhe lassen. Es muss eine Möglichkeit geben, den Makel des Satans auszumerzen. Es muss Leute geben, die sich damit bereits beschäftigt haben. Vielleicht ein anderer Hexenjäger? Die Georgianer nutzen sie nicht, doch sie kennen am besten die Rituale und Gebete des Herrn. Die Rosenkreuzer klingen nach einer guten Option. Johann van Helsing begab sich in ihre Obhut und nahm den Fluch von der Rippertechnologie. Aber nahm er alles auf sich? Wie soll er die lauernde Essenz eines Dämons aus dessen Fleisch verbannt haben? Ich bin überzeugt, dass ein Exorzismus oder eine heilige Weihe das Objekt reinigen wird. Zur Sicherheit. Doch ein erneutes Studium der Bibel hat mir bereits Gewissheit geben können, dass Rippertechnologie nicht unser Untergang sein kann. So schreibt doch Markus: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“

6. Januar 1896 AD, Montag
Ein Nervenarzt. Ist es nun so weit gekommen?  Ich verstehe, dass Mosley mit jemandem reden muss, der seinen Geist wieder besänftigen kann, und selbst ich sehe ein, dass ein Kirchenmann dazu wohl nicht sonderlich gut geeignet sein mag.
Und nun rede ich auch mit ihm, weil die Damen keine Ruhe lassen. Ich habe nun bereits den besseren Teil von zwei Tagen mit diesem Mann verbracht und sehe nicht was irgendwas davon bringen soll. Ich muss auf einem Sofa liegen, sehe den Mann nicht, weil er hinter mir sitzt und soll absurde Fragen beantworten. Warum soll ich mit ihm über meine Kindheit reden? Was haben meine Eltern und meine Schulzeit bitte damit zu tun, dass mich die kommende Schlacht um das Schicksal der Welt nicht schlafen lässt? Gestern habe ich es keine Stunde ausgehalten und wollte ihn schon ganz nach Hause schicken. Das ist eine reine Geldverschwendung. Wir könnten uns eine Armee kaufen für das Geld, das wir diesem Mann entgegenwerfen.

13. Januar 1896 AD, Montag
Wir reisen zu dem kleinen Kloster St Mary on the cliffs, das Mr Mosley ausfindig machen konnte. Hier soll also die älteste bekannte Version der Lupus Die Legende liegen?
Es handelt sich um eine alte Schriftrolle, womöglich zweitausend Jahre alt. Wahrscheinlich wurde sie durch einen Kreuzfahrer vor Jahrhunderten aus dem Heiligen Land mit zurück gebracht. Der Text ist alt, und die Übersetzung muss schwierig gewesen sein, doch es fügen sich einige Teile des Mosaiks zusammen.
Die Kernlegende spricht nicht explizit von einem Wolf, sondern allgemein dem Tier Gottes. Das Tier hängt wohl vielmehr von der Person ab, und passt sich der Gefahr an, der sich der Gesegnete entgegen stellen muss. Der Legende nach wird diese Gabe nur dann verliehen, wenn das Werk Gottes in großer Gefahr ist. Doch es ist nicht Gott selbst, sondern einer seiner Boten, der dieses Geschenk verleiht.
Doch was geschieht, wenn die Gefahr gebannt ist? Verschwindet die Gabe? Erlischt gar das Leben des Gesegneten? Lebt der Mensch weiter wie bisher? Nichts davon lässt sich eindeutig widerlegen. Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu beten.
Mr Mosley erscheint zumindest sehr gestärkt und bestätigt in seiner Sache. Er ist das wahre Werkzeug Gottes auf Erden in diesem Kampf. Vielleicht wird er es auch endgültig einsehen und sich Gott zuwenden. Doch ich habe auch erkannt, dass Gottes Wege für uns Sterbliche nicht ergründbar sind. Er hat Mosley aus seinen Gründen auserwählt. Ich sehe ein, dass der wahre Glaube nicht wichtiger sein darf, als ein reines und aufrichtiges Herz.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Pantaleon

avatar

Anzahl der Beiträge : 29
Anmeldedatum : 04.09.17

BeitragThema: Re: November - März 1896: Kampf gegen Apophis   So Aug 26, 2018 8:28 pm

5. Januar 1896 AD, Sonntag
Das Problem der reinen Ripper-Technologie will mir keine Ruhe lassen. Es muss eine Möglichkeit geben, den Makel des Satans auszumerzen. Es muss Leute geben, die sich damit bereits beschäftigt haben. Vielleicht ein anderer Hexenjäger? Die Georgianer nutzen sie nicht, doch sie kennen am besten die Rituale und Gebete des Herrn. Die Rosenkreuzer klingen nach einer guten Option. Johann van Helsing begab sich in ihre Obhut und nahm den Fluch von der Rippertechnologie. Aber nahm er alles auf sich? Wie soll er die lauernde Essenz eines Dämons aus dessen Fleisch verbannt haben? Ich bin überzeugt, dass ein Exorzismus oder eine heilige Weihe das Objekt reinigen wird. Zur Sicherheit. Doch ein erneutes Studium der Bibel hat mir bereits Gewissheit geben können, dass Rippertechnologie nicht unser Untergang sein kann. So schreibt doch Markus: „Nichts, was von außen in den Menschen hineinkommt, kann ihn unrein machen, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.“

6. Januar 1896 AD, Montag
Ein Nervenarzt. Ist es nun so weit gekommen? Ich verstehe, dass Mosley mit jemandem reden muss, der seinen Geist wieder besänftigen kann, und selbst ich sehe ein, dass ein Kirchenmann dazu wohl nicht sonderlich gut geeignet sein mag.
Und nun rede ich auch mit ihm, weil die Damen keine Ruhe lassen. Ich habe nun bereits den besseren Teil von zwei Tagen mit diesem Mann verbracht und sehe nicht was irgendwas davon bringen soll. Ich muss auf einem Sofa liegen, sehe den Mann nicht, weil er hinter mir sitzt und soll absurde Fragen beantworten. Warum soll ich mit ihm über meine Kindheit reden? Was haben meine Eltern und meine Schulzeit bitte damit zu tun, dass mich die kommende Schlacht um das Schicksal der Welt nicht schlafen lässt? Gestern habe ich es keine Stunde ausgehalten und wollte ihn schon ganz nach Hause schicken. Das ist eine reine Geldverschwendung. Wir könnten uns eine Armee kaufen für das Geld, das wir diesem Mann entgegenwerfen.

13. Januar 1896 AD, Montag
Wir reisen zu dem kleinen Kloster St Mary on the cliffs, das Mr Mosley ausfindig machen konnte. Hier soll also die älteste bekannte Version der Lupus Die Legende liegen?
Es handelt sich um eine alte Schriftrolle, womöglich zweitausend Jahre alt. Wahrscheinlich wurde sie durch einen Kreuzfahrer vor Jahrhunderten aus dem Heiligen Land mit zurück gebracht. Der Text ist alt, und die Übersetzung muss schwierig gewesen sein, doch es fügen sich einige Teile des Mosaiks zusammen.
Die Kernlegende spricht nicht explizit von einem Wolf, sondern allgemein dem Tier Gottes. Das Tier hängt wohl vielmehr von der Person ab, und passt sich der Gefahr an, der sich der Gesegnete entgegen stellen muss. Der Legende nach wird diese Gabe nur dann verliehen, wenn das Werk Gottes in großer Gefahr ist. Doch es ist nicht Gott selbst, sondern einer seiner Boten, der dieses Geschenk verleiht.
Doch was geschieht, wenn die Gefahr gebannt ist? Verschwindet die Gabe? Erlischt gar das Leben des Gesegneten? Lebt der Mensch weiter wie bisher? Nichts davon lässt sich eindeutig widerlegen. Es wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben, als zu beten.
Mr Mosley erscheint zumindest sehr gestärkt und bestätigt in seiner Sache. Er ist das wahre Werkzeug Gottes auf Erden in diesem Kampf. Vielleicht wird er es auch endgültig einsehen und sich Gott zuwenden. Doch ich habe auch erkannt, dass Gottes Wege für uns Sterbliche nicht ergründbar sind. Er hat Mosley aus seinen Gründen auserwählt. Ich sehe ein, dass der wahre Glaube nicht wichtiger sein darf, als ein reines und aufrichtiges Herz.

14. Januar 1896 AD, Dienstag
Mrs Harker hat uns kontaktiert. Sie hat etwas für uns. Nicht viele Informationen, aber es mit Sicherheit von großer Bedeutung: Ein Brief, wohl schon einige Wochen alt. Kein Absender, kein Text. Nur eine grobe, handgezeichnete Karte Südirlands mit einem markierten Wald. Und Blutspuren. Wir sollten dieser Sache schnellstmöglich auf den Grund gehen. Ein Leben scheint auf dem Spiel zu stehen. Wer hat uns diese Karte zukommen lassen? Ein Ripper in Not? Ich habe ein sehr ungutes Gefühl. Ich bin mir sicher, dass wir geradewegs in eine Falle tappen.
Die Anderen Herrschaften hatten die höchst törichte Idee, Mr Gray auf diese Exkursion einzuladen. Gerade in diesem Fall finde ich das eine völlig falsche Entscheidung. Wir wissen doch gar nicht, mit was wir es zu tun haben werden! Und wenn wir es mit einem Hinterhalt zu tun haben, möchte ich mir nicht auch noch Gedanken über einen Verzogenen Lordling machen müssen. Meiner Meinung nach hat er unser erstes Treffen mit Jack auch nur deswegen überstanden, weil genug andere arme Menschen auch in diesem verruchten Haus der Sünde anwesend waren, die vor ihm standen um die Klauen von Jacks Handlangern aufzufangen.
Dorian Grays Trägheit hat uns wohl vor Leichtsinnigkeiten bewahrt. Er meinte wohl, wir sollten vorreisen und ihm eine Nachricht schicken, wenn wir mehr Informationen für ihn haben. Dann würde er sich wohl dazu bequemen lassen, die Einladung anzunehmen.

15. Januar 1896 AD, Mittwoch
Wir reisen nach Irland. Zunächst nach Dublin, von dort dann nach Cork und schließlich in ein kleines Dorf am Rande des ominösen Waldes. Die Einheimischen haben nichts Besonderes zu berichten. Der Wald ist dicht und wird nur selten von Jägern betreten. Von einem Verletzten weiß niemand etwas.

16. Januar 1896 AD, Donnerstag
Wir machen uns auf den Weg in den Wald. Er ist dicht, finster und uralt. Wir markieren unseren Weg um nicht verloren zu gehen. Viele Felsen, Bäche und Wasserfälle erschweren das Vorankommen. Trotz der angespannten Stimmung genießen wir die Schönheit der unberührten Natur. Und die Stille. Es ist auffallend leise. Kein Tier gibt einen Laut von sich.
Mosley macht Gebrauch von seinen scharfen Sinnen in Wolfsgestalt und horcht plötzlich auf. Er riecht etwas. Rauch. Wir folgen ihm zielstrebig bis zu einer jäh aufragenden, steilen, mindestens zwanzig Meter hohen Felswand. Nach rechts und links scheint sie nicht abzufallen. Doch als Mosley mit einer Pfote den Stein berührt, verschwindet sie. Ein Trugbild! Mächtige Zauberei ist hier im Spiel. Wer hat dieses Bild erschaffen, um sich vor den Augen der Menschen zu verbergen? Mosley kundschaftet vorsichtig und berichtet: Die Felswand verbirgt ein kleines Dorf, bevölkert von allerlei abstrusen Tierwesen und fremdartigen Kreaturen.
Wo, beim heiligen Vitus, sind wir hier gelandet? Miss O’Sheehan ist der Überzeugung, ein Tor zur Feenwelt gefunden zu haben, doch muss doch wohl ein Auswuchs ihrer Übereifrigen Fantasie und ihrer Verbundenheit mit der irischen Folklore sein, oder etwa nicht?
Es folgt eine langwierige Diskussion. Die Wesen scheinen friedlich, doch können wir sicher sein? Oft genug haben die Ripper mit Kreaturen wie diesen gekämpft. War der Brief eine Warnung? Ein Hilferuf eines Opfers dieser Brut? Oder sollten wir doch zunächst Barmherzigkeit walten lassen?
Noch während wir versuchen zu einer Übereinkunft zu kommen, verschwindet Mosley durch die Wand, und ohne sich aufhalten zu lassen huscht Miss O’Sheehan hinterher. Plötzlich stehen Finnigan und ich alleine da. Uns beiden ist nur zu bewusst, welches Risiko Mosley und Abbygale gerade eingehen. Doch wenn wir zwei nun hinterher poltern, könnte das diese angespannte Situation zum Zerreißen bringen und jegliche Chance auf Diplomatie in den Wind schlagen. Also entschließen wir uns zähneknirschend, zu warten. Wir suchen uns ein Versteck hinter einem Felsen und hoffen.
Eine Ewigkeit scheint zu vergehen. Plötzlich hören wir Geräusche: Bewegung an der Felswand! Zehn Gestalten verschiedenster nicht-menschlicher Form erscheinen aus dem Nichts und marschieren in unsere Richtung. Finnigan und ich ziehen stumm unsere Waffen. Unsere schlimmsten Befürchtungen scheinen sich bewahrheitet zu haben. Mit angehaltenem Atem warten wir auf den richtigen Moment, bis uns plötzlich eine wohl vertraute Stimme entgegenschallt: Es ist Miss O’Sheehan! Sie bittet uns, mit ihr zu kommen.
Gewährt man uns sicheres Geleit, fragt Mrs Finnigan.
Wenn sich unsere Geschichte als wahr herausstellt, kommt die wenig beruhigende Antwort.
Doch es bleibt uns keine Wahl. Man nimmt uns unsere Waffen ab, selbst meinen Stock. Mit einer einfachen Holzkrücke muss ich mich nun begnügen. Andererseits kann ich es ihnen wohl nicht verübeln. Wenn sie denn tatsächlich so wohlgesonnen sind, wie sie vorgeben…
Man bringt uns in eine große Hütte, wo auch Mosley bereits wartet. Außerdem begrüßt uns eine weibliche Stimme von jenseits des Vorhangs, der das Zimmer teilt. Maddy, wie sie sich nennt, ist eine Gorgone und die Leiterin dieses Dorfes. Dies sei ein Zufluchtsort für allerlei Kreaturen vor den Menschen. Wir sind nun ihre Gefangene, wobei sie uns schnellstmöglich wieder loswerden möchte. Sie möchte uns wenigstens nicht töten. Sie will eine Absicherung, dass wir ihr Geheimnis bewahren.
Die Absicherung soll sie haben. Diese Wesen hier stellen meiner Meinung nach tatsächlich keine ernstzunehmende Gefahr für den Rest der Welt dar. Sie wussten weder vom Kult des Apophis und seinem Erstarken, noch von der Rückkehr Jacks und seiner Bande. Doch wir sind hier, um einem Verbrechen auf die Spur zu gehen.
Es war ein Ripper, der diesen Ort gefunden hat. Er war einem der „Einheimischen,“ einem Satyr namens Bartholomew gefolgt, als dieser am Waldrand unterwegs war. Er griff Bartholomew an, doch dieser entkam und konnte um Hilfe rufen. Maddys Leute stellten den Ripper und verletzten ihn bevor er floh.
Ich muss zugeben, ich weiß nicht was ich von diesem Ripper halten soll. Er kämpfte für die gleiche Sache wie wir auch, er stellte eine in seinen Augen böse Kreatur. Doch nun, dass ich mich mit diesem Bartholomew unterhalten habe, sehe ich, dass diese Einstellung die falsche war. Mich schaudert, wenn ich bedenke, dass ich selbst sehr oft wohl genau so gehandelt hätte wie dieser junge Mann… Das ist gerade alles zu viel.

Miss O’Sheehan ist mit einigen weisen Frauen des Dorfes zu einem Beschluss gekommen und hat mit ihnen einen magischen Schwur ausgearbeitet: Wir werden schwören, nichts zu tun, was diesem Dorf schaden könnte.

17. Januar 1896 AD, Freitag
Es bleibt uns nun etwas Zeit in diesem Ort, bis dieses Ritual durchgeführt werden kann. Wir nutzen die Zeit, um ein Verständnis für die fremdartigen Wesen dieses Ortes und ihre Beweggründe zu finden. Sie sind tatsächlich hier, um ein friedliches Leben zu führen. Die meisten von ihnen haben schlimme Erfahrungen mit den Rippern oder der Menschheit allgemein gemacht. Auch die Kirche muss sich vor ihnen für viele Untaten verantworten.
Ich mache mich tagsüber nützlich wo ich kann. Die Einheimischen sind uns gegenüber zaghaft, und gerade mir bringen sie viel Skepsis entgegen. Ich fürchte, ich kann es ihnen nicht verübeln.
Mosley scheint die Zeit hier gut zu tun. Er fühlt sich unter Menschen nicht ganz heimisch und gerade in den letzten Wochen war seine Seele rastlos und gejagt von schrecklichen Bildern.
Wir sind uns einig: Dieser Ort ist eine gute Sache, und wir sollten ihn schützen. Die magische Barriere ist ein hervorragender Trick, aber auf lange Sicht wird er nicht ausreichen, um Menschen aus dem Wald fernzuhalten. Was, wenn man dieses Areal zum Beispiel kauft? Dann hätte man einen Grund, Menschen das Betreten des Waldes konkret zu verbieten. Außerdem könnte man versuchen, anderen Wesen die Reise hierhin zu erleichtern.

Ich möchte mir kaum eingestehen, dass ich vor wenigen Jahren diesen Wald womöglich ohne viel Federlesen in Brand gesteckt hätte. Und ich weiß, dass es auch viel zu viele unter den Rippern und gerade den Hexenjägern gibt, die dies noch immer tun würden.
Ich habe in den letzten Monaten viel gelernt. Über magische Wesen, über Magie. Ich kann nicht mehr guten Gewissens den Doktrinen und Überzeugungen der Hexenjäger um Serious Chapel Folge leisten.

Der Mond geht auf, und das Ritual beginnt. Die… Hexen… haben ein großes Feuer entfacht und beginnen mit viel Tanz, Musik und arkanen Gebärden. Es fühlt sich falsch an, tief unten. Tief unten befielt eine Stimme, diesen Ketzern den Garaus zu machen, sie auf den Scheiterhaufen zu bringen. Doch ich widerstehe. Es wäre falsch. Diese Wesen sind Gut! Wie kann der Wunsch, ein friedliches Leben jenseits von Verfolgung zu führen, gegen Gott sein? Wie kann die Existenz dieser Wesen gegen Gott gehen? Ihre Erbsünde ist nicht größer als die der Menschen selbst, und sie sollen ein Recht auf Erlösung haben.
Klein ist der Geist desjenigen, der sich vor Veränderung verschließt. Jesus predigte Barmherzigkeit, und ich werde ebenso Barmherzigkeit predigen.
Als Besiegelung des Rituals stechen die Hexen jedem von uns eine Tätowierung in Form eines Pentagramms und einiger okkulter Symbole. Damit ist es besiegelt. Wir können der Siedlung nicht schaden. Wenn doch, wird das Tattoo verschwinden und Maddy wird sofort bescheid wissen.

18. Januar 1896 AD, Samstag
Wir setzen uns mit Maddy zusammen. Nun ist sie bereit, mit uns ihre Geheimnisse zu teilen. Sie kennt Nesh Ren’a. Sie kann uns sogar eine Beschreibung der Lage geben. Nicht perfekt, aber gut genug sodass wir es finden können. Endlich!
Außerdem macht sie uns mit einem weiteren Bewohner des Dorfes bekannt: Einer Mumie namens Amrothep. Er kann uns noch etwas zum Kult erzählen und dem Ritual, das er durchführen wird.
Doch das war noch immer nicht alles: Maddy überreicht uns noch zwei Geschenke: Eine Kiste mit einer Schlange von ihrem Haupt. Sie sagt nicht mehr dazu, doch wir alle wissen, was für eine Macht sie uns damit gegeben hat. Außerdem noch eine verzierte Pfeife namens Löwenzunge. Mit ihr soll es möglich sein, mit Geistern der Vergangenheit in Verbindung zu treten.
Als letztes hat sie noch eine Geschichte für Mr Mosley: Sie hat tatsächlich einmal ein Tier Gottes zu Gesicht bekommen. Eine große Bedrohung, ausgelöst durch den Größenwahn der Römer, wurde laut ihr bezwungen durch einen brennenden Wolf. Die Römer waren in ihrer Dekadenz Dämonen der fleischlichen Lüste anheim gefallen. Dies wäre wohl der Niedergang der Menscheit sein können, wäre nicht ein Tier Gottes zur Rettung gekommen. Der darauf folgende Kampf endete wohl in keinem eindeutigen Sieg, sondern eher einer Art Ausgleich.

Schließlich kommt doch die Zeit, dass wir abreisen müssen. Auf dem Rückweg machen wir in einigen Ortschaften am Waldrand halt und erkundigen uns, ob hier der verwundete Ripper bemerkt wurde. Ein Bauer kann uns weiterhelfen. Er fand den schwer verwundeten Mann und brachte ihn zu sich. Er konnte ihm nicht mehr viel helfen, der Mann schaffte es nur noch, die Karte zu zeichnen und ihm die Adresse der Villa van Helsing zu geben. Auch seinen Namen finden wir heraus: Nathan Cooper. Schweren Herzens machen wir uns auf die Heimreise. Mr Cooper mag vorschnell und unüberlegt gehandelt haben, doch er war dennoch einer der unsrigen und ein jeder Tod betrifft uns sehr. Ich spreche ein Gebet für ihn. Möge er Ruhe finden.
Mosley wird noch ein wenig in Maddys Haven, wie das Dorf im Wald nun getauft wurde, bleiben. Die Zeit hier scheint ihm gut zu tun. Viel besser als die Zeit mit dem Nervenarzt. Ich muss sagen, ich freue mich auch keineswegs auf meine nächste Sitzung… Miss O’Sheehan wird uns ebenfalls nur bis Dublin begleiten, und dann ihre Familie besuchen. Es ist lange her, seit sie sie das letzte Mal gesehen hat. Gerade im Angesicht dessen, was auf uns zukommt, sollte nun ein jeder Zeit mit seiner Familie verbringen.
Ich sehe Abbygale, die sich darauf freut, endlich ihren Vater und ihre Mutter zu sehen und die Heimat zu genießen.
Ich sehe Mr und Mrs Finnigan, die einander stützen und stärken wie ich es nie gesehen habe. In diesen beiden hat Gott wahrlich zwei getrennte Hälften eines Ganzen wieder zusammen geführt…
Ich sehe Mosley, glücklicher unter den Ausgestoßenen als je in den restriktiven Rängen der Londoner Gesellschaft. Als Amerikaner, der die Freiheit des ungezähmten, wenn auch brachialen, Westens gewohnt ist, ist das etwas verständlich. Er ist eine Natur, die sich von den Ketten unserer alten Traditionen nicht fesseln lässt. Zum besseren wie zum schlechteren. Aber ich habe eingesehen, dass Gott einen Plan für ihn hat, den ich nicht durchdringen kann. Mosley ist ein guter und aufrichtiger Mann, auf seine Art.
Und ich? Wo ist nun mein Platz? Nein, ich darf nicht an Selbstzweifeln zu Bruch gehen, nicht jetzt. Ich bin der Fels, zu dem all diese rastlosen Seelen zu jeder Zeit zurückkommen können. Das ist meine Aufgabe. Das Zölibat bedeutet, dass ich nicht eine Person wichtiger als alle anderen behandeln werde. Die Menschheit bedarf meinen Schutz. Und die Gefährten, die ich in dieser Loge gefunden habe, sie sind nun meine Herde. Was auch immer in Ägypten auf uns wartet, ich werde dafür sorgen, dass Brüder und Schwestern nichts zustoßen wird.

Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: November - März 1896: Kampf gegen Apophis   

Nach oben Nach unten
 
November - März 1896: Kampf gegen Apophis
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Große Versammlung / Kampf gegen die Erleuchteten
» Filme GEGEN Liebeskummer FÜR Selbstbewusstsein
» Musik für und gegen Liebeskummer
» Aufrechnung des Job-Centers gegen RA-Kostenerstattung SG Karlsruhe:
» Der Fragebogen gegen langeweile ~~

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Rippers - 1895 :: ~ Dear Boss ~ :: Aufzeichnungen :: Danforth's Annalen-
Gehe zu: