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 September bis Oktober 1895

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Laura
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BeitragThema: September bis Oktober 1895   Mi Nov 08, 2017 8:47 am

7. September

Reverend Danforth ist heute zu mir gekommen. Wir haben es dieser Tage nicht leicht miteinander. Dass er tatsächlich geglaubt hat, ich würde nicht bereuen … Ich kann gar nicht in Worte fassen wie sehr mich diese Frage nach allem was passiert ist verletzt hat. Wie kann er daran zweifeln? Und trotzdem versuche ich ja auf das zu hören was er sagt. Aber so einfach ist es nun einmal nicht für mich. Wenn ich doch nur das tun könnte, was richtig zu sein scheint. Aber statt es hinzunehmen, anzunehmen, zweifle ich und stelle Fragen.

Ich kann einfach nicht glauben, dass Gott die Welt in schwarz und weiß geteilt hat. Etwas weigert sich in mir, stellt sich quer wenn ich annehmen soll, dass es richtig gewesen wäre nichts zu tun.

Und wenn er mir mit der Verdammnis droht oder das Bild dessen zeichnet, was mich erwarten könnte … dann frage ich mich, ob Gott selbst nicht weiser ist als wir ihm manchmal zugestehen. Kann ich nicht bereuen was ich getan habe, wie ich jeden anderen Toten bereue und gleichzeitig erleichtert darüber sein jemanden gerettet zu haben?

Kann Gott das nicht sehen, wo es doch immer heißt, dass er unsere Herzen kennt? Ist Gott mir noch gnädig gestimmt? Muss ich ihn durch meine Taten tatsächlich von meinen guten Absichten überzeugen? Wie kann man dem Anspruch Gottes gerecht werden? Wie kann ich meinem eigenen Anspruch gerecht werden. Wenn ich auf eines vertraue, dann auf Gottes Gnade auch wenn mir die des Reverends versagt bleiben wird.

10. September

Wir brechen nach London auf. David hat das Kommando übernommen. Es ist wie immer ein wenig seltsam ihm dabei zuhören wie er die Matrosen befehligt. Mit mir redet er eigentlich nie so. Nur wenn wir miteinander streiten, kommt der Offizier hin und wieder zum Vorschein. Aber das ist nichts womit ich nicht fertig werden würde.

So beschäftigt er tagsüber aber auch sein mag, nachts - wenn wir alleine sind - ist es das selbe. Wenn er aus dem Schlaf schreckt, wache ich häufig auf. Manchmal reden wir über das was er gesehen hat. Gemeinsam lassen sich die Schrecken der Erinnerung besser vertreiben. Mosley liegt vollkommen falsch mit seiner Vermutung womit wir unsere Nächte verbringen. Wenn er noch einmal etwas derartiges andeutet und seine Nase damit in unser Schlafzimmer steckt, weiß ich nicht ob ich ihm das noch einmal durchgehen lassen. So viel Geduld ich auch mit ihm habe … ein wenig Anstand täte dem Mann ganz gut.

Aber im Augenblick habe ich wirklich andere Probleme als einen ungehobelten Kerl der mir mit einer unbedachten Bemerkung zu Nahe tritt.

Jeder Alptraum von David quält auch mich. Ich fühle mich immer noch hilflos. Aber da ist noch etwas anderes … eine unbeschreibliche Wut. Ich hätte nicht gedacht, dass ich zu solch einem Zorn fähig bin. Und ich weiß nicht, was ich tun werde wenn wir dem Mann der dafür verantwortlich ist gegenüber stehen … Ich weiß es einfach nicht.

12. September

David und ich haben darüber geredet was ihn zu Hause erwarten könnte. Allein der Gedanke an eine Haft oder Arrest bereitet mir Übelkeit. Nicht wegen mir … ich weiß, dass ich damit fertig werden kann. Aber ich habe Angst um David. All diese Monate in Gefangenschaft und das nur um dann von seinen eigenen Männern festgesetzt zu werden? Vielleicht kommt es ja auch gar nicht so weit aber die Angelegenheit musst schnellsten aus der Welt geschafft werden.

Ich möchte nach vorne blicken. Aber es ist schwer, wenn ich nicht weiß was aus uns werden wird. Dazu kommt mein schlechtes Gewissen gegenüber den Anderen. Auch wenn wir vor ein paar Tagen darüber geredet haben und wenigstens der Reverend Verständnis für meine Lage zu haben scheint. Ich will sie nicht im Stich lassen. Ich will an ihrer Seite sein. Aber mehr als alles andere möchte ich David nicht allein lassen. Das kann ich nicht. Und wenn das heißt, dass ich sie zurücklassen muss - wenigstens für eine Weile - dann ist dem wohl so. Aber so wie es scheint wird es erstmal nicht dazu kommen müssen.

17. September

London. Seltsam, aber es fühlt sich ein wenig an als würde ich nach Hause kommen. Es ist das gewesen, was einem zu Hause für mich im letzten Jahr am nächsten gekommen ist. Das Haus, die bekannten Gesichter und die beiden Zimmer im ersten Stock. Jetzt wo wir dort erst einmal zu zweit leben, bin ich ganz dankbar für Quentins Zimmer.

Die Nachrichten hier überschlagen sich allerdings ein wenig. Noch bevor Abby zu ihrer Familie aufbrechen kann, mussten wir von einem Einbruch in die Loge von Mina Harker erfahren. Wenigstens hat man den Einbrecher dingfest machen können. Kein Unbekannter, sondern der seltsame Italiener über den wir erst vor wenigen Tagen sprachen. Hinzu kommen Neuigkeiten aus Rom die zu dem passen was David aus seiner Gefangenschaft erzählt hat.

Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger Sinn ergibt all das für mich. Die Nachrichten aus Osteuropa sind ausgesprochen beunruhigend gewesen und jetzt auch noch Rom. Wir werden uns die Sache wohl selbst ansehen.

19. September

Diese verdammte Anhörung lässt mich nicht schlafen. Wenigstens David hat heute leichter als sonst in den Schlaf gefunden. Kein Wunder. Ich wusste gar nicht wie sehr mir das gefehlte hat. Bis heute Abend war mich nicht klar, wie sehr ich seine Berührungen vermisst habe. Aber wenn die Erinnerung an die letzte Stunde auch noch so schön ist, sie vertreibt die Sorgen in mir nicht.

David hat es gut auf den Punkt gebracht. Wir wissen nicht was passieren wird, ehe diese Anhörung vorbei ist. Wir wissen nicht was mit uns geschehen wird, wo und unter welchen Umständen wir leben werden.
Bis heute habe ich es nie bereut mit einem Offizier verheiratet zu sein. Ich bereute natürlich nicht David geheiratet zu haben! Und ich wusste auch worauf ich mich da einlasse … aber zum ersten Mal in all den Jahren habe ich das Gefühl, dass wir nicht selbst bestimmen können welche Richtung unser Leben nehmen wird. Das gefällt mir nicht.

Wenn es nach mir ginge … aber ich weiß, das tut es nicht … dann würde ich mir einen Neuanfang für uns wünschen. Allein der Gedanke meine Heimat und unsere Familie zurückzulassen ist schwer.

Am Ende bleibt uns nur die Angelegenheiten in Rom zu klären und danach ein Schiff in die Staaten zu nehmen. Dort angekommen werden wir wohl abwarten und unsere Beziehungen einmal nutzen müssen, damit es nicht zum schlimmsten kommt.

Aber was wäre das Schlimmste? Ein Monatelanger Arrest der David und mich an Boston bindet, und ich muss die Anderen in diesem Schlamassel zurücklassen. Aber auch eine Versetzung in den Innendienst in Boston wäre furchtbar. David würde die See vermissen und er ist nicht gut darin, anderen das kämpfen zu überlassen. Dafür kenn ich ihn mittlerweile zu gut! Und ich weiß nicht, wie ich es aushalten soll unter Freunden zu leben, die beinah alle unter seinem Kommando jemanden verloren haben, den sie liebten.

Das beste wäre es vermutlich, wenn wir Boston wirklich verließen. So schwer es auch am Anfang sein würde. Aber würde er damit leben können nur noch den Rippers verpflichtet zu sein und nicht mehr seinem Land? Ich weiß es nicht. Oder gibt es vielleicht eine Möglichkeit wie sich militärischer Dienst damit weiterhin verbinden ließe … vielleicht sogar hier in England? Es gibt in London immerhin eine Botschaft mit einem Militärstab und wie ich aus eigener Erfahrung weiß fast so viele Offiziere und Matrosen wie in einem amerikanischen Hafen.

Wenn es nach mir ginge, würde ich David darum bitten. Ein Neuanfang unter Freunden, mit einer Aufgabe die uns braucht und ihn nicht den Erinnerungen verfallen lässt. Aber das kann ich jetzt noch nicht tun ohne ihn zu bedrängen. Also warte ich auf die Dinge die da kommen mögen.

20. September

Unsere Nachtschwärmer sind gerade betrunken nach Hause gekommen. Mosleys schlechter Einfluss lässt sich mittlerweile kaum noch leugnen. Andererseits solange es bei ein paar unschuldigen, aber dummen Freuden dieser Art bleibt, will ich lieber nichts dazu sagen.
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Laura
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BeitragThema: Re: September bis Oktober 1895   Di Nov 21, 2017 10:57 pm

21. September 1895

Besuch bei Sherlock Holmes. Ich hoffe wenigstens, dass sich in den nächsten Wochen ein Erfolg einstellen wird. Eine Gelegenheit für diesen beratenden Detektiv zu zeigen was in ihm steckt. Es ist wirklich ein seltsames Gefühl wenn er einen mustert und deduziert. Dem einen oder anderen Gedanken kann ich folgen, aber bisher nicht allen.

Auch die Nachforschungen über die Bibliothek des Lichts kommen langsam in konkrete Bahnen. Nun … wir stochern nicht mehr vollkommen im Dunkeln. Offenbar gibt es eine islamische Legende, einen Zusammenhang mit Mohammed. Immer noch ist alles kryptisch und verschlungen und ergibt keinen Sinn. Aber warten wir einmal ab was die anderen Logen noch ausgraben … mehr bleibt nicht zu tun.

22. September 1895

Wir brechen nach Rom auf. Eine Crew zu finden, war diesmal dankbar einfach und wenigstens verstehen alle die Sprache. Unser italienischer Begleiter bleibt lieber für sich, aber das kann ich ihm nicht wirklich verübeln. Wenigstens hat er mich nicht wiedererkannt - auch wenn David über diesen Teil der Geschichte lachen konnte, mir ist es so lieber. Das fehlt gerade noch, dass ich einem Vertreter des Vatikans darüber Rechenschaft ablege.

27. September 1895

Viel Zeit haben wir gerade nicht. Die Loge in Rom hat nach unseren Nachrichten erste Schritte eingeleitet um allen auf den Weg zu gehen. Aber es fehlt uns an allem. Wir wissen weder wo der Sprengstoff versteckt ist, noch haben wir genug Leute um alle möglichen Obelisken zu überprüfen. Abby wird sich um die Untersuchung der Obelisken kümmern, Arthur und der Reverend werden in den Vatikan aufbrechen und David bleibt hier um sich einen Überblick über die militärische Seite der Unternehmung zu verschaffen. Was heißt, dass für Mosley und mich die Arbeit in den Spelunken übrig bleibt um herauszufinden wo die Sprengstoffe sind.

David und ich haben nur einen kurzen Blick dazu ausgetauscht. Er vertraut mir. Auch wenn ich nicht glaube, dass es ihm gefällt oder dass er sich keine Sorge macht. Aber wichtig ist, was er tut.
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Laura
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BeitragThema: Re: September bis Oktober 1895   Fr Jan 05, 2018 10:23 am

29. September 1895

Am heutigen Morgen wurden wir von Signor Gambuccini auf Geheiß des Heiligen Vaters in den Vatikan bestellt. Selbst jetzt, da ich es erlebt habe und darüber schreibe, fühlt es sich unwirklich an. Wer hätte gedacht, dass ich dort stehen würde - ausgerechnet ich? Sobald wir wieder in London sind, werde ich das Verdienstkreuz sorgsam aufbewahren. Bis dahin wird es mit meiner Reisetasche Vorlieb nehmen müssen.

Noch viel wichtiger im Moment ist allerdings, dass wir Zugang zu den päpstlichen Archiven bekommen haben. Mosley, Danforth und Abby sind bereits seit Stunden dort. Aber ich wäre dort heute keine große Hilfe. Ich bin zu unkonzentriert und noch gefangen in den Bildern der letzten Nacht. Ich bewundere Menschen wie Abby, die all den Schrecken einfach bei Seite wischen können um sich wieder auf die Arbeit zu konzentrieren. Zumindest heute will mir das nicht gelingen.

30. September 1895

Letzte Nacht hatte ich einen Alptraum. Ich kann mich nicht an alles erinnern nur an den schwarzen Schatten eines Mannes und grobe, verzerrte Bilder aus den Gassen Roms. David ist wach geworden und hat mich geweckt.

Aber es sind nicht nur die Erinnerungen aus jener grausamen Nacht die ich verarbeiten muss. Was mich auch nicht loslässt ist der unbekannte Mann, der den Geist des Tageslöhner verunstaltet hat. Solchen Fähigkeiten habe ich nichts entgegenzusetzen.

2. Oktober 1895

Die Untersuchungen im Vatikan nähern sich wohl dem Ende. Was bedeutet, dass wir bald nach Hause aufbrechen werden.

Der Gedanke macht mir Angst, aber er erleichtert mich auch ungemein. Endlich ein Ende dieser Ungewissheit. David hat ein Talent dafür im Hier und Jetzt zu leben, was mir nach wie vor gut tut. Aber in einer Situation wie dieser ist es damit leider nicht getan. Wenn wir es noch länger hinauszögern, werden sie es ihm am Ende vorwerfen. Und einem Deserteur drohen Jahre Haft oder der Tod. Mir ist leichter ums Herz wenn ich weiß, dass es bald sein vorbei sein wird.

4. Oktober 1895

Ich habe genug von Schiffen. Jedes Mal schlägt mir eine Seereise auf den Magen. Ich kann mich nicht einmal mit Lesen ablenken, weil es mir davon übel ist. Wenigstens ist es eine gute Ausrede um nicht den Anderen zu begegnen. Noch kann ich ihre Blicke kaum ertragen. Vermutlich lese ich darin viel zu viel was gar nicht da ist - und im Grunde geht es ja gar nicht um sie, sondern lediglich um mich.

Manchmal beginne ich zu weinen und ich will nicht, dass mich dabei jemand sieht. Mit David ist es anders. So war es immer schon. Er weiß, wann er mit mir Schweigen muss damit ich rede.

Ich frage mich immer wieder, ob ich das richtige getan habe und ob ich David nicht hätte widersprechen müssen. Aber wie kann ich das tun, wenn er es plötzlich für einen Weg hält seine Schuld gegenüber den Toten zu begleichen um mit sich selbst wieder ins Reine zu kommen. Dem will ich mich nicht entgegenstellen. Wie hätte ich da nein sagen können? Das hätte ich nicht über mich gebracht. Wenn er diesen Weg gehen will, dann gehen wir ihn zusammen, was immer das auch heißen mag.

David will noch nicht daran denken. Er lebt ganz im Hier und Jetzt und konzentriert sich darauf, dass wir all dies überstehen.

Aber ich kann das nicht. Ich muss daran denken, welche Strafen einem Deserteur in den Staaten drohen. Wir werden nie nach Hause gehen können ohne Davids Leben aufs Spiel zu setzen. Jeder Brief an unsere Familie wird eine Lüge enthalten wenn wir dieses Geheimnis vor allen bewahren wollen die es nicht erfahren dürfen. Und irgendwann werde ich nicht mehr lügen können. Es wird für ein paar Monate gehen oder Jahre, aber doch nicht für immer. Was wenn man mich in London besuchen will? David stellt es sich so leicht vor. Aber allein der Gedanke, dass er für ein paar Tage verschwindet ist doch lächerlich! Wir werden Nachbarn haben, Freunde, Menschen die reden und Fragen stellen. Und selbst wenn uns dieser aberwitzige Zirkus gelingen würde, was ist wenn wir doch noch Kinder haben sollten? Sie werden wir wohl kaum verstecken können.

Der Reverend hat Recht, wenn er sagt, dass eine Lüge nur zur nächsten führen kann. Umso bedrückender, dass ich das unbestimmte Gefühl habe auch von ihm in diese neue Lüge hineingedrängt worden zu sein. Dass ich ihm damit nicht gerecht werde, ist mir klar. Aber ich bin nicht unfehlbar und kann es nicht ändern.

Alles was wir tun können ist nach vorne gehen, irgendwie weitermachen und dabei damit beginnen das vorzubereiten was irgendwann kommen wird.

6. Oktober 1895

Endlich wieder fester Boden unter den Füßen. Aber leider liegt auch die Loge in Konstantinopel wieder unter der Erde. Es sind dunkle Kammern unter der Basilica Justinian. Ich sehne mich nach einem Zimmer mit Fenster, dass ich morgens aufstoßen kann um frische Luft hereinzulassen.

Groß ist die Loge nicht und es fehlt mal wieder an Männern und Frauen um die Arbeit zu erledigen, die getan werden müsste.

Morgen werden wir als erstes den Obelisken und einen Buchladen in der Stadt aufsuchen. Jetzt ist es Zeit die Lampen zu löschen und wenigstens ein Paar Stunden zu schlafen.
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Laura
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BeitragThema: Re: September bis Oktober 1895   Mi Jan 17, 2018 12:02 am

7. Oktober 1895

Die Ereignisse haben sich seit gestern überschlagen und ich habe kaum Zeit um alles geordnet zu Papier zu bringen. Gestern ist es uns gelungen nicht nur einige Männer auszumachen, die den Obelisken überwachen und sie zu ihrem Unterschlupf zu verfolgen, sondern wir konnten auch eine vage weitere Spur zum Schatz des Sultans ausmachen - was immer das auch sein mag.
Bevor wir uns allerdings auf mehr als eine Überwachung der sechs Männer einigen konnten, haben sie in der vergangenen Nacht zugeschlagen. Oder besser gesagt, sie haben es versucht. Wir sind mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen worden. Es waren Mosley und Abby die vollkommen erschöpft mit einem Gefangenen und mehreren Taschen Sprengstoff in der Loge aufgetaucht sind. Es hat nicht lange gedauert bis man vorgeschlagen hat den Gefangenen zu verhören und dabei auf mittlerweile altbewährte Methoden zurückzugreifen.

Ich weiß nicht wie ich dieses Gefühl beschreiben soll. Es ist immer noch, als würde der eigene Kopf in eisiges Wasser getaucht. Man hört nichts, sieht nichts und versucht aus Stille und Schwärze die fremden Bilder zu formen.

Dieses mal war es furchtbar. Da war Schmerz. Nichts als Schmerz. Ich glaube nicht, dass ich jemals vorher selbst so einen Schmerz gefühlt habe. Alles danach ist verschwommen. Ich war wie betäubt. Ich bin zusammengebrochen und am Ende war es umsonst. Der Mann hatte sich die eigene Zunge abgebissen. Wie groß müssen Hass und Fanatismus sein, dass man sich selbst so verstümmelt und sich am Ende umbringt?

Hinzu kommt, dass ich genau weiß, dass der Reverend und ich noch einmal miteiander reden sollten. Wir sehen uns an und lassen Dinge ungesagt, verschieben Gespräche für die gerade Zeit und Ruhe fehlt. Aber ich weiß wirklich nicht, ob ich eine weitere seiner Entschuldigungen hören möchte, wenn er denn überhaupt vorhat sich für seine Worte zu entschuldigen. Ich frage mich wirklich, was ich getan habe um diese Sicht auf meinen Charakter verdient zu haben. Wie kann der selbe Mann, der es einmal für gut befunden hat, dass ich nicht leichtfertig Menschen töte mir jetzt Skrupellosigkeit vorwerfen? Es wäre leichter, wenn mir seine Meinung von mir nicht so wichtig wäre. Das ist einer meiner Fehler in all dem. Seit David wieder da ist, fällt es mir leichter mich von diesem schwarzen Bild meiner selbst zu lösen, dass der Reverend in unserem letzten Gespräch gezeichnet hat. Es fällt mir viel leichter mich mit Davids Augen zu sehen und zwar Entscheidungen zu hinterfragen, aber nicht die Beweggründe dahinter oder meinen Instinkt das zu tun was ich für richtig halte.

8. Oktober 1895

Die gestrige Nacht steckt mir immer noch in den Knochen auch wenn es leichter wird die fremden Gedanken und Gefühle von meinen eigenen zu trennen. Einmal bin ich in der Nacht hochgeschreckt, vollkommen gefangen in roten Träumen voller Schmerz und seltsamer kehliger Laute. Zum Glück war David da. Aber selbst in seinen Armen hat es gedauert wieder in den Schlaf zu finden.
Wenigstens verdichten sich die Spuren um den Schatz des Sultans und der Obelisk steht noch. Das ist aber auch alles, was es an guten Neuigkeiten zu berichten gibt. Abby hat heute dem omniösen Buchhändler noch einige Informationen abgeschwatzt. Wenn sie vertrauenswürdig sind, könnten wir im Palast des Sultans tatsächlich die eine oder andere Antwort finden. Eine wahnwitzige Idee dort einzusteigen … aber was bleibt uns noch außer wahnwitzige Ideen?
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BeitragThema: Re: September bis Oktober 1895   Di Feb 06, 2018 12:26 am

Auf hoher See, 10. Oktober 1895

Wenn es etwas gibt, das ich im letzten Jahr gelernt habe, dann dass ich nicht für Schiffsreisen gemacht bin. Gestern Morgen haben wir noch in der Dämmerung Konstantinopel verlassen. Ich weiß kaum, wie ich es von der Loge bis in den Hafen geschafft habe so erschöpft war ich. Die Nacht im Palast und die letzten Wochen haben ihre Spuren hinterlassen. Als ich heute aufgewacht bin, war es bereits nachmittag. Ich bin nur kurz an Deck gegangen um ein wenig frische Luft zu schnappen. Jetzt sitze ich alleine an Davids altem Schreibtisch und ordne meine Gedanken. Schreiben lenkt wenigstens etwas von dem flauen Gefühl ab, dass ich bei jeder größeren Welle spüre.

Auch bei den Anderen hat die letzte Nacht mehr oder weniger Spuren hinterlassen. Wenn ich den Reverend brühten sehe, bin ich sicher, dass er seine Begegnung mit Ryan Mark noch nicht überwunden hat. Es kommt mir vor als läge all das eine Ewigkeit zurück. Die Zugfahrt, die Nachforschungen im Haus des Priesters, Mr Mosleys Entführung und der Kampf in der Londoner Kirche.

Abby und Mosley fällt es mit ihrer leichtherzigen Art entscheiden einfacher die Schrecken mit dem Morgen bei Seite zu wischen. Hingegen denke ich wohl wieder entschieden zu viel darüber nach. Aber ein bisschen mehr Besonnenheit würde beiden nicht schaden. Dann hätten wir vielleicht jetzt in diesem Augenblick keinen uralten, blutrünstigen Flaschengeist an Bord der ein Jahr und einen Tag an Abbys Seite bleibt. Was dann passiert … wer weiß das schon. Wenn ich daran denke wie knapp wir den Kampf gewonnen haben und wie wenig manch einer von uns gegen ihn ausrichten konnte, dann wird mir ganz anders. Ich traue diesem Wesen kein Stück.

Wir sind gerade so einmal mit dem Leben davon gekommen.

Aber dafür besitzen wir den Schatz des Sultans und die Reihen unserer Gegner wurden hoffentlich mit dem Ableben von Sittards und Ryan Marks geschwächt. Vielleicht finden wir London endlich mehr über von Sittards Geschichte heraus. Auch wenn er tot ist, wüsste ich nur zu gerne was er in den letzten Monaten getrieben hat.

Und der sagenumwobene Schatz des Sultans … eine Truhe, die von sich immer verändernden Mustern verschlossen wird. David hat sie jedenfalls vom ersten Moment an in seinen Bann gezogen. Auch eben war er mit Mosley wieder über die Truhe gebeugt in dem Versuch sie zu entschlüsseln. Wir werden sehen ob sich dieses Rätsel entschlüsseln lässt. Vermutlich ist alles was wir brauchen Zeit. Und wer weiß schon wie viel wir davon haben.

Auf hoher See, 13. Oktober 1895

Hatte gestern ein kurzes Gespräch mit dem Reverend und wir konnten einige Missverständnisse ausräumen. Es tut doch gut zu wissen, dass seine Meinung von mir, trotz aller Differenzen, wenigstens nicht so schlecht ist, wie es kurz den Anschein hatte.

London, 17. Oktober 1895
Wir sind heute Morgen in London eingetroffen. Viele Neuigkeiten haben uns bisher nicht erwartet, weder bei Mr. Holmes noch bei Mrs. Harker. Als nächstes gilt es diese Kiste zu öffnen. David hat sich bereits in die Bibliothek gesetzt und ist dabei die Regale nach hilfreichen Büchern abzusuchen. Da wir uns dafür entschieden haben, die Kiste bei uns zu behalten, erwarten wir in den nächsten Tagen noch Hilfe aus Mrs. Harkers Loge.

Außerdem sind Nachforschungen nach von Sittard in die Wege geleitet worden. Es ist so schrecklich deprimierend, dass wir immer noch keine Ahnung haben worum es bei dieser verdammten Sache eigentlich geht.

Aber wenigstens haben wir diese Kiste. Wenn sie sich doch nur öffnen ließe. Ich werde hinunter gehen und sehen, was ich tun kann.

London, 18. Oktober 1895

Was für ein Tag…

Den ganzen Morgen habe ich im Westend damit verbracht von einer Behörde und einem Büro zum nächsten zu laufen. Nur um am Ende endlich die neuen Pässe in der Hand zu halten. Und trotzdem bin ich nicht erleichtert. Es war ein schwerer Tag und es schlägt mir mehr aufs Gemüt als ich gedacht hätte. Ich bin unausgeglichener als üblich. Und David hat es mir heute nicht leichter gemacht.

Wenn er sich wenigstens einen Moment Zeit genommen hätte. Wenigstens fragen wie es mir damit geht. Aber nein, der Auftrag wurde zu vollster Zufriedenheit erledigt. Sehr gut. Wegtreten, Soldat. Ich bin kein Soldat, ich bin seine Frau.

Dass der Vorwurf im Grunde nicht gerecht ist, weiß ich selbst. Hoffentlich kann ich morgen wieder darüber hinwegsehen. Aber heute fällt es mir schwer. Ich weiß, dass er seit heute Morgen über der Kiste brütet. Ich weiß, dass es eine wichtige Aufgabe ist und dass alles was wir tun und riskieren am Ende unnütz ist, wenn wir das Rätsel nicht lösen.

Aber trotzdem …
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BeitragThema: Re: September bis Oktober 1895   Sa Feb 24, 2018 12:19 am

Silbriges Mondlicht fiel durch das Fenster. Jane wälzte sich unruhig von einer Seite auf die Andere. Aber es half nichts. Seit fast einer Stunde fand sie keinen Schlaf. Neben ihr konnte sie Davids ruhigen Atem hören. Es hatte wie immer etwas beruhigendes an sich ihn neben sich zu spüren. Doch schlafen konnte Jane trotzdem nicht. Mit großen Augen starrte sie an die Decke und beobachtete das Spiel aus Licht und Schatten. Ihre Gedanken kreisten um die letzten Stunde. Besorgt wandte Jane den Kopf nach links und sah zu David. Wenigstens er schlief. Sie lächelte, dann setzte Jane sich behutsam auf und stieg aus dem Bett. Mit der vagen Idee sich in der Küche einen Tee auf zu schütten, griff sie nach ihrem Morgenmantel und verließ leise das Zimmer.

Im Haus herrschte nächtliche Stille. Eine Kerze in der Hand ging Jane die Hintertreppe zur Küche hinunter. Auch dort war niemand mehr wach. Es war nicht das erste Mal, dass Jane sich hier selbst half und so fand sie rasch was sie suchte: Kessel, Wasser, Teeblätter und Geschirr. Während das Wasser auf dem Herd warm wurde, wanderte Janes Blick durch den Raum. Schließlich blieb er an der Kellertür hängen. Einen Moment starrte Jane unschlüssig auf die Tür. Dann stand sie vom Küchentisch auf.

Fünf Minuten später kam Jane die Kellertreppe wieder hoch, eine kleine Kiste unter dem Arm. Sie goss sich eine Tasse Tee ein, drehte das Licht in der Küche hoch und setzte sich mit der Kiste an den Tisch. Nachdenklich schob Jane den Schatz des Sultans hin und her. Noch einmal betrachtete sie die Kiste von allen Seiten und verlor sich in den seltsamen, sich stetig bewegenden Mustern und Schnörkeln. Eine Melodie summend fuhr sie mit ihrem Finger an den feinen Wellen entlang. Jane zwinkerte und die Kiste hob sich vor ihr in die Luft. Langsam drehte sich der Schatz des Sultans um sich selbst. So war es einfacher den Mustern zu folgen. Bald schon brauchte Jane den Finger nicht mehr um sich daran zu erinnern welches Zeichen wohin führte. Während sie Kiste nur mit der Kraft des Geistes vor sich in der Luft hielt, spürte sie die feinen Rillen deutlicher als je zuvor.

Die Zeiger der Küchenuhr wanderten langsam Stunde um Stunde weiter. Es war kurz nach drei und Jane fuhr zum ungezählten Male eine seltsame kleine Folgen von Mustern nach. Sie strich darüber und schließlich war es zu hören; ein kleines aber deutliches Klicken. In der nächtlichen Küche hallte es laut nach. Vor Aufregung zog Jane scharf die Luft ein. Ihr Atem ging schnell. Mit zitternden Fingern tastete Jane nach dem Deckel der sich ein wenig gehoben hatte. Aber sie brachte es nicht über sich ihn anzuheben. Vorsichtig griff Jane nach der Kiste. Sie blies die Kerze aus und lief nach oben zu ihrem Zimmer.


------------------------

Tagebuch

Was für ein Tag das gestern war! Erst haben wir den ganzen Morgen damit verbracht unsere Erkenntnisse noch einmal zu ordnen, dann der Anruf bei Mr Banks um Zugang zum Diogenes Club zu erhalten, nachts dann unser Ausflug zum Kanal um Davids Schiff zu versinken und dann … dann öffnet sich endlich diese verdammte Kiste! Wenn ich an Davids verwirrtes Gesicht denke, könnte ich gleich wieder laut lachen. Ich kann gar nicht sagen wie gut es sich anfühlt dieses Ding geöffnet zu haben!
Nun wissen wir wenigstens wohin wir uns als nächstes wenden müssen, Alexandria. Die verlorene Bibliothek. Aber wir wollen diesmal nichts überstürzen und alles in Ruhe angehen.

Nachtrag

Offenbar reisen wir nicht nach Alexandria. Jedenfalls noch nicht, denn Sherlock Holmes hat endlich die Spur des Arabers dort aufgenommen. Offenbar befindet sich das Hauptquartier des Kultes in dieser Stadt. Also haben wir uns entschlossen nun dorthin zu reisen und dem Treiben ein für allemal ein Ende zu setzen.

Bei dem Gedanken ist mir nicht wohl zu Mute.

Ich ertappe mich dabei wie ich Davids Narben Abends oder Morgens öfter betrachte als in den letzten Wochen üblich geworden ist. Er hat es noch nicht bemerkt. Ich sehe ihn an und spüre in jeder Faser meines Körpers diese unbeschreibbare Wut.
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