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 Ägypten, 20. August 1895 - David & Jane

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Laura
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BeitragThema: Ägypten, 20. August 1895 - David & Jane   Fr Okt 13, 2017 4:13 pm

Zwei Tage sind nun vergangen seit sie die Ruinen verlassen haben und in Gedanken kehrte David immer wieder zu den Ereignissen der letzten Monate zurück. Nachts war es besonders schlimm, dann wenn alles still war und er mit seinen Gedanken ganz allein war.
In dieser Nacht aber war es besonders schlimm, zwar fand er recht schnell Schlaf, aber es war kein erholsamer. Schwere Albträume plagten ihn und schweißgebadet schreckte er hoch.

Im ersten Moment wusste Jane nicht, was sie geweckt hatte. Halb gefangen zwischen Schlafen und Wachen spürte sie einen kalten Luftzug an ihrer Schultern. Sie schlug die Augen auf. Neben ihr ging Davids Atem schnell und unregelmäßig. Jane starrte einen Moment in die Dunkelheit.
“David?”, fragte sie leise.

Er gab keine Antwort. Er griff lediglich nach ihr zum Zeichen, dass er sie gehört hatte.

Jane setzte sich auf. Die Decke glitt von ihren Schultern und sie schauderte ein wenig. Kurz tastete sie ein wenig unbeholfen nach der Lampe und den Streichhölzern. Einen Moment später zischte das Gas leise und das Zelt war in ein mattes, dämmriges Licht getaucht. Gerade genug, dass man etwas erkennen konnte. Dann sah Jane zu David und ihre Augen weiteten sich erschrocken

Er sah sie nicht an. Er konnte einfach nicht. Stumm saß er im schwachen Schein der Laterne und versuchte sich zu sammeln, sich zu beruhigen. Doch es wollte ihm einfach nicht gelingen, immer wieder sah er Jenkins’ Gesicht vor sich. Diese vor entsetzen geweiteten Augen als dieser verdammte Araber ihm die Kehle öffnete….

Jane widerstand dem Bedürfnis David zu umarmen. Stattdessen saß sie einfach nur neben ihm. Nach einem Moment streckte sie zögernd, sehr langsam die Hand nach seiner aus.

David ließ Jane gewähren. Er war froh, dass sie ihn nicht gleich mit fragen bombardierte.
Einen ewig lang scheinenden Moment hielt er einfach nur ihre Hand, dann sagter er: “Danke.”

Jane erwiderte nichts, was sollte sie auch sagen, wo er sie offenbar nicht einmal ansehen konnte. Sie erinnerte sich an die Toten, an die Narben auf seinem Körper und daran wie ausgemergelt er war. Der Gedanke bereitete ihr Übelkeit. Sie schwiegen beide. Jane nutzte den Moment um sich zu sammeln und drückte seine Hand einmal fest, nur um zu zeigen, dass sie da war.

“David”, sagte sie schließlich sanft. Aber etwas zerbrechliches lag in ihrer Stimme. Jane zögerte, dachte nach, wie fast immer ehe sie sprach.
“Sieh mich an”, bat sie zaghaft.

Er wandte den Kopf und sah sie für einen kurzen Augeblick mit geweiteten Pupillen an, dann stand er auf und verließ wortlos das Zelt.

Es kostete Jane alle Beherrschung die sie aufbringen konnte, ihm nicht gleich zu folgen. Mühsam zwang sie sich dazu sitzen zu bleiben. Sie griff lediglich nach einem Wollschal und legte ihn sich um die zitternden Schultern. Jane wusste nicht, wann sie sich das letzte Mal so hilflos gefühlt hatte.

Wartend blieb sie zurück. Angespannt lauschte Jane, horchte in die Stille der Nacht hinein und versuchte die eigenen Gedanken auszublenden.

Nach kurzer Zeit kam David wieder. Wasser Tropfte ihm aus den Haaren und dem Gesicht.
Er setzte sich neben Jane auf ihre Schlafstatt. “Es war nur ein Traum” sagter er leise.

“Nur?”, wiederholte sie tonlos und schüttelte den Kopf. Jane musste an ihre eigenen Träume denken, die in den letzten Nächten immer wieder wach gehalten hatte.

“Nur” wiederholte er. “Es war nicht echt, nicht…” er stockte “dieses mal”.

Jane schwieg. Sie zog ihr Tuch enger um sich, als könne es die innere Kälte vertreiben. Aber es half nicht. Jane erinnerte sich an die vielen Narben. Sie sah die Toten wieder vor sich die sie alle mit eigenen Händen begraben hatte.

“David, was ist passiert?” Sie sah ihn ängstlich an. Nichts war schlimmer als auf ihre eigene Vorstellung angewiesen zu sein.

“Zuviel um dir alles in einer Nacht zu erzählen, ich weiß nicht einmal mehr genau was wirklich passiert ist und was ich mir einbilde. Ich kann Traum und Wirklichkeit nicht immer auseinanderhalten. Ich” wieder stockte er “habe sie sterben sehen Jane, sie alle. gefoltert und getötet nur um mich mürbe zu machen.”

Jane schluckte. Ihn plagte die Erinnerung an seine Kameraden. Für sie war der Gedanke unerträglich was David selbst erlitten hatte.

“Weil sie dich zum Reden bringen wollten”, sagte sie. So viel hatte er ihnen ja schon erzählt.

“Ja” antwrtete er. “Ich...ich durfte nicht einknicken. Viel mehr Leben als nur unsere leben hätten auf dem Spiel gestanden. Sie alle wussten es...ich werde ihre Gesichter nie vergessen.”

“Ich auch nicht”, sagte Jane leise und starrte in die Dunkelheit.

Darauf konnte David nichts sagen. So griff er einfach erneut Janes Hand und schwieg.

Auch sie schwieg einen Moment, rückte nur ein wenig näher zu ihm.

“David, es ist nicht deine Schuld was passiert ist.”

“Doch das ist, wäre ich nicht in die Falle gegangen, wären sie alle noch am Leben.”

Jane schüttelte sanft den Kopf. “Es war dein Kommando, deine Verantwortung. Aber doch nicht deine Schuld. Du wusstest doch nicht was-” Sie brach ab.

“Das sind Wortklauberein, Jane. Vernatwortung, Schuld es sind nur 2 Worte die das gleiche bedeuten.” sagte er mit tonloser Erschöpfung.

Jane widersprach nicht. Behutsam löste sie ihre Hand aus seiner und legte sie ihm um die Schulter auch wenn er um einiges größer als sie war.

“Ich wünschte, ich könnte es besser machen.”

Er versuchte zu lächeln. “Das tust du.” er umarmte sie.

Jane schloss ihn in die Arme. “Gut, denn ich komme mir schrecklich nutzlos vor.” Dann ließ sie ihn los, sah ihm aber fest in die Augen als sie weitersprach.

“Du hast getan was du konntest. Du hast so lange durchgehalten. Jemand der weniger willensstark wäre hätte das nicht gekonnt.” Sie suchte nach Worten die ausdrücken konnte was sie empfand, was sie ihm sagen wollte

“Ich habe Angst meinen Verstand zu verlieren” antwortete er “du gibst mir einen Grund weiter zu kämpfen, das ist mehr als ich verlangen kann, vielleicht sogar mehr als ich verdient habe.”

Es war schwer, sehr schwer ihn nicht einfach an den Schultern zu fassen, zu schütteln und ihm zu sagen was er da für einen Unsinn redete. Janes Hand formte eine Faust während sie gegen das Bedürfnis ankämpfte. Sie hatte Angst, dass er es am Ende selbst glauben könnte.

“David Finnigan”, sagte sie unnachgiebig. “Gott hat dir ein zweites Leben gegeben, wage ja nicht dieses Geschenk wegzuwerfen!”

Jane sah ihn an, Liebe und Verzweiflung lagen in ihrem Blick.

“Ich habe Gott seit einem Jahr nicht mehr gesehen, den Teufel dafür umso deutlicher” sagter er kopfschüttelnd.

“Aber ich”, sagte Jane fest und legte ihre Hand an seine Wange, wie er es immer bei ihr tat. “Meine Gebete hat er offenbar erhört. Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde.”

Er fasste ihr Handgelenk sanft und schaute ihr zum ersten mal in dieser nacht in die Augen. Diesmal lächelte er ehrlich und sagte: “Ich glaube wir sollten versuchen noch etwas Schlaf zu finden, es liegt noch viel vor uns.”

Jane erwiderte seinen Blick und nickte. Dann griff sie nach der Laterne und drehte das Gas wieder herunter. Wortlos legte sie sich hin und wartete.

Auch David legte sich wieder hin und nahm Jane in den Arm. Auch wenn es eine Weile dauerte so kam der Schlaf dann doch über ihn.
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