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 März - Mai: Leopold

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Pantaleon

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Anzahl der Beiträge : 17
Anmeldedatum : 04.09.17

BeitragThema: März - Mai: Leopold   Mo Sep 04, 2017 11:14 pm

14. März, 1895
Wir bekommen Besuch. Annabelle hatte es bereits vor einigen Tagen angekündigt, dass ein Bekannter mit einem möglichen Hilfegesuch hereinkommen würde.
In die Loge tritt ein Herr mittleren Alters in feinem Anzug und mit Gladstone Tasche unter dem Arm. Er stellt sich als Mr Rashford vor und schnell kommt er zum Punkt. Er ist ein Entwickler von Rippertechnologie und sucht eine Truppe, die bereit ist, für ihn nach Afrika zum Tanganyikasee zu reisen, um dort ein legendäres Riesenkrokodil zu erlegen und ihm dessen Haut zu bringen. Er möchte daraus einen Rippertech-Prototypen entwickeln den er bereit wäre einem von uns zu überlassen.
Ich bin skeptisch. Haben wir nicht gerade noch Londons Straßen vor Geisterkreaturen und Vampiren geschützt? Jetzt sind wir Großwildjäger? Außerdem… sind wir für solch eine Unternehmung überhaupt die richtigen Ansprechpartner? Nun gut, Mr Mosley und Lady Sofia wissen einigermaßen mit Schusswaffen umzugehen, vielleicht sogar noch Mr Finnigan, doch was sollen Mademoiselle de me Lune oder Miss O‘Sheehan auf einer Krokodiljagd? Ich bezweifle, dass ich selbst von großem Nutzen sein soll.
Doch Mr Rashford scheint überzeugt davon, dass wir ihm helfen können und auch Annabelle ist überraschend zuversichtlich. Also stimmen wir scheinbar zu. Rashford übernimmt die Kosten der Überfahrt und Spesen, zwei Wochen haben wir für unsere Vorbereitungen.

16. März, 1895
Es gibt viel zu tun. Wir haben nicht viele Optionen was die Route angeht. Mit einem Schiff werden wir bis nach Mombasa in Kenya. Von dort werden wir uns dann zu Fuß einen Weg nach Deutsch-Ostafrika bis zum Tanganjika-See.
Als einziger unter uns, der der deutschen Sprache mächtig ist, kümmert sich Mr Finnigan um Einreisebescheinigungen, Jagderlaubnis und die weiteren Dokumente, die uns die deutsche Botschaft ausstellen muss.
Miss O’Sheehan hat bereits einen Frachter gefunden, der uns bis nach Mombasa bringen kann.
Mr Mosley und Lady Sofia wurden als Schützen auserkoren und ihnen oblag daher die Aufgabe, angemessene Bewaffnung zu besorgen. Ein großkalibriger Elefantentöter, Eine gute Büchse und reichlich Munition.
Ich nutzte die Zeit, um mich bei Annabelle nach etwaigen Logen in Afrika zu erkundigen, doch leider konnte sie mir nicht weiterhelfen. Immerhin konnte ich bei den in London ansässigen Jesuiten erfahren, dass es in Zentralafrika viele Europäische Missionare gibt, die das Wort Gottes unter den Eingeborenen verbreiten. Eine gute Nachricht. Diese Männer vor Ort könnten uns unermesslich weiterhelfen.

17.März
Die Liste der benötigten Ausrüstung wächst und wächst, und damit auch die Kosten. Expeditionen in die Wildnis sind teuer.
Praktischerweise konnte Mr Finnigan seine Kontakte spielen lassen. In England ist es in den letzten Jahren in Mode gekommen, Ausflüge unter dem Schleier der Wissenschaft in exotische Gefilde zu unternehmen. Nach ihren Lustreisen verscherbeln die Abenteuermüden Adligen danach ihr kaum benutztes Inventar. Das ist zu unserem Wohl. Wir werden eine ganze Menge Geld einsparen können, wenn wir die Ausrüstung solcher Bestände erstehen.

18. März, 1895 AD
Jetzt, da Miss O’Sheehan ihre Flugkünste gemeistert hat, haben wir endlich einen einfachen Beweis arkaner Kräfte, den wir Mr Gray darbieten können. Wir begaben uns daher in voller Mannstärke zu seinem Anwesen und Miss O’Sheehan demonstrierte ihre Fähigkeit an dem werten Herrn selbst. Er zeigte sich überzeugt und sichtlich begeistert. Offensichtlich mehr, als gut für einen Außenstehenden ist. Mir ist noch immer nicht wohl bei dieser gesamten Angelegenheit mit Mr Gray, aber jetzt rückt er wenigstens mit seinen Mitteln raus.
Doch selbst danach ließ er nicht locker und drängte auf Erzählungen über die Geschehenisse in der Kirche. Der Kerl führt etwas im Schilde. Mich würde nicht wundern, wenn er Morgen hoch zur St Andrews fährt und die Kirche kauft. Nur weil der Herr Mehr Geld hat als die Queen und bei Kontakt mit der Anderen Seite nicht schreiend Reißaus nimmt, heißt das noch lange nicht, dass er vertrauenswürdig ist. Ganz im Gegenteil. Es spricht meiner Meinung nach alles was wir wissen dagegen, mit diesem Mann zu konferieren. Aber Annabelle hat die Entscheidung gefällt. Ihre Loge. Ihr Problem.
Was Gray mit Lady Sofia angestellt hat, macht ihn nur noch verabscheuungswürdiger. Verführt ein unschuldiges Mädchen, das in diesem Land fremd ist, einfach nur um ein neues Spielzeug zu haben. In ein paar Wochen spätestens wird sie langweilig und aufgebraucht sein und dann wirft er sie weg. Er widert mich an, und Lady Sofia versteht noch nicht einmal die Gefahr, in der sie sich befindet. Armes Ding. Doch niemand ist verloren ehe ich es nicht sage.

19. März, 1895 AD
Mr Mosley geht es nicht gut. Sind es die Reisevorbereitungen die ihm nicht wohl bekommen? Ich glaube wohl kaum. Eine Influenza vielleicht? Wie höchst unglücklich so kurz vor unserer Reise. Wir schicken ihn ins Bett, sich zu schonen doch wenig später rufen mich erstaunte Aufschreie in den Schlafsaal. Ich stürze mit gezogenem Rapier in das Zimmer und kaum dort wage ich es kaum, meinen Augen zu trauen – auf dem Bett sitzt ein gigantischer, schwarzer Wolf, umgeben von den Überresten von Mosleys Kleidern. Der Mann hat sich also tatsächlich verwandelt und scheint seien Verstand ebenfalls wie angekündigt noch zu besitzen, da er niemanden von uns zerfleischt. Der Wolf springt vom Bett und trottet umher, macht Männchen und betrachtet sich im Spiegel sichtlich fasziniert von seiner Gestalt. Ich stecke mein Rapier weg und beobachte mit den anderen gebannt die Vorführung.
„Mr Mosley, sind sie das? Wie fühlen Sie sich?“ Meine besorgte Frage wird mit Bellen und Hecheln beantwortet.
„Denken Sie, Sie können sich zurückverwandeln?“
Das Tier legt den Kopf schief, dann beginnt es sich zu verändern. Statt knirschenden Knochen und ausfallendem Haar sehen wir eine scheinbar geschmeidige und schmerzlose Transformation und nach wenigen gespannten Atemzügen unsererseits steht Mr Flynn Mosley unversehrt vor uns – nackt. Nur zu sehr bin ich mir der Präsenz von Miss O’Sheehan und Lady Sofia bewusst und zumindest einer von ihnen entweicht ein schockierter Atemzug. Oder war es Mr Finnigan? Er scheint einen Augenblick zu brauchen, ehe er seiner Blöße gewahr wird und schnell nach einer Decke greift. Der Moment war jedoch lang genug für mich, um einen langsam wabernden schwarzen Fleck mitten auf seiner Brust zu erkennen. Ganz und gar nicht gewöhnlich. Ein dunkles Geheimnis, das abgeklärt werden sollte, ehe es Mr Mosley und uns alle in Schwierigkeiten bringt…
Nachdem Mr Mosley sich wieder angekleidet hat setzen wir uns in der Runde zusammen mit Annabelle an den Tisch und diskutieren den Fall. Annabelle selbst ist sprachlos und kann von keiner annähernd ähnlichen Erfahrung berichten. Mosley meinte, dass vor der Verwandlung eine dumpfe Stimme aus einem Licht zu ihm gesprochen habe, deren Sprache in Wolfsform plötzlich verständlich wurde: Sie enthüllte sich als Joseph und weihte Mosley in die Transformation und Eigenschaften seiner Form ein. Höchst eigenartig. Heute ist der Tag des heiligen Joseph. Sollte es tatsächlich dieser gewesen sein, der zu ihm sprach? Er ist also tatsächlich von Gott ausgewählt als Lupus Dei gegen die dämonischen Schergen des Teufels anzutreten. Mosley scheint es ja jetzt doch ganz gut zu verarbeiten, da alles scheinbar doch besser ausgefallen ist als befürchtet. Doch wir müssen abwarten, vorsichtig an diese Sache herangehen.

20. März, 1895 AD
Abreisetag. Am frühen Morgen betreten wir unser Schiff: Die Rocinante, ein spanischer Transporter der uns bis nach Mombasa tragen wird. Die anderen Herrschaften bestehen auf Einzelkabinen, sodass ich alleine im Gemeinschaftsschlafsaal bei der Mannschaft liegen werde. Dass Mademoiselle de me Lune eine Einzelkabine will war selbstverständlich und bei Miss O’Sheehan und Lady Sofia ist es natürlich auch nur recht und billig. Mr Mosley erscheint doch sonst nicht so versessen auf Luxus, ich nehme an er will nicht, dass noch einmal einen Blick auf diesen schwarzen Fleck erhascht? Auch von dem sonst so weltoffenen Mr Finnigan hätte ich nicht erwartet, dass er auf diesen Luxus besteht aber vielleicht habe ich ihn auch überschätzt. Ich werde meinen Gefährten nicht sagen, wie sie ihr Leben zu leben haben.
Die spanischen Matrosen sind auf jeden Fall ein fröhliches Völkchen. Allesamt vernünftige Katholiken und stets geschäftig. Vielleicht ist das aber auch die Anwesenheit des Priesters unter ihnen. Keiner von ihnen spricht ein Wort Englisch, aber mit meinem gebrochenen Italienisch und Latein kann ich mich wenigstens etwas mit ihnen austauschen.

22. März, 1895 AD
Lissabon. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen. Eine Bootsfahrt auf einem See ist etwas komplett anderes als die Reise im inneren einer wankenden Kiste auf Hoher See. Die Matrosen meinten, dass man sich nach einigen Tagen daran gewöhnt und die Seekrankheit nachlässt. Ich hoffe es und bete zum heiligen Christophorus. Jetzt tut es erst einmal gut, wieder an Land zu sein.
Lissabon ist faszinierend. Die strahlende Sonne, die Sommerwärme so früh im Jahr. Die Architektur, so eine fremdartige Vermischung aus muselmanischer und christlicher Architektur hat einzigartige Schöpfungen hervorgebracht. Ich nutzte den kurzen Landgang, um dem berühmten Hieronymitenkloster einen kurzen Besuch abzustatten. Auch wenn es nicht mehr als Kloster dient, so ist es doch noch immer ein atemberaubendes Denkmal an die Herrlichkeit Gottes. Ich fürchte jedoch, dass ich nicht annähernd genug Zeit hatte allein an der Oberfläche dieses Bauwerks zu kratzen, ehe wir unsere Reise fortsetzen mussten.

27. März, 1895 AD
Ankunft in Kairo. Die Sonne brennt, fremdartige Gerüche attackieren meine Nase, muselmanische Gesänge und Gedudel plärren in meine Ohren. An jeder Ecke zupft ein braungesichtiger Ägypter an meiner Soutane und will mir irgendwelchen Tand verkaufen. Ich vermisse das Abendland schon jetzt. Die anderen scheinen sich deutlich wohler zu fühlen. Gerade unsere französische Dame ist überhaupt nicht mehr zu halten. Das macht sie keineswegs sympathischer. Mr Finnigan hält stets seine neue Kamera gezückt und ich kann deutlich erkennen, wie er ständig mit sich selbst darum ringt, ob er sich eine weitere Fotografie erlauben kann.
Ich lasse mich dazu breitschlagen, zusammen mit den anderen die legendären Pyramiden der alten Ägypter aufzusuchen. Ich muss zugeben, ich bin beeindruckt. Diese Strukturen sind enorm, die Sphinx atemberaubend für ihr Alter. Ständig neue nutzlose Informationen über die angebliche Weisheit und Größe der Ägypter plärren in meine Ohren, doch alles was ich sehe ist das Werk von Tausenden von Sklaven aus dem Volk Moses‘, die mit ihrem eigenen Schweiß und Blut diese Bauwerke errichtet haben. Wenn diese Pyramiden tatsächlich ein Monument der Größe sein sollen, dann einzig und allein der Größe des allmächtigen Gottes, denn nur mit seiner Hilfe konnten die Israeliten sie errichten.
Zurück zum Boot, es geht weiter.

30. März, 1895 AD
Wir sind endlich am Ziel unsere Seereise angekommen: Mombasa, dem größten Handelshafen und Verwaltungssitz von Britisch-Ostafrika. Mein erster Gedanke: es ist heiß hier. So schön es auch ist, die stickigen Kabinen unseres Schiffes endlich zu verlassen, ich vermisse jetzt schon die angenehme Kühle des Fahrtwinds und der Gischt. Ich verabschiede mich herzlich von den spanischen Seemännern der Rocinante und wünsche ihnen eine weitere gute Fahrt. Mast und Schiffbruch, wie man unter Seefahrern sagt.
Mombasa ist… besser als erwartet. Breite, saubere Straßen, europäische Gebäude, eine Kirche, englischsprechende Beamte. Im Hafenbüro beschreibt man uns den Weg zum einzigen Hotel der Stadt. Einfach, aber offensichtlich Englisch. Mosley, Finnigan und O’Sheehan hören sich um nach Karawanen ins Landesinnere, denen wir uns für den weiteren Weg anschließen könnten und ich statte dem hiesigen Gouverneur einen kurzen Besuch ab.
Der diensthabende Offizier ist sichtlich erfreut, einmal ein neues europäisches Gesicht zu sehen und plaudert hilfsbereit über das Leben in der Kolonie. Er kann mir ein paar Tipps für unsere Expedition geben. Der Dschungel ist größtenteils unerforscht und mit Vorsicht zu genießen. Affen sind keineswegs zu unterschätzen, ebensowenig die Großkatzen und all das andere Gekreuch, dem man über den Weg laufen könnte. Wasser und Verpflegung für die Reise mit der Karawane sollte man auf keinen Fall unterschätzen. Er konnte mir auch einiges über die Eingeborenen erzählen. Die meisten Stämme scheinen friedlich zu sein und einige Missionare leben bei diversen von ihnen und bringen ihnen das Wort Gottes näher. Trotzdem gibt es noch einige unabhängige Stämme weiter abseits, die sich mit aller Kraft gegen die Kolonialherren sträuben.
Ich tausche noch eine Weile Höflichkeiten mit ihm aus, dann entschuldige ich mich und kehre zurück zu unserer Unterkunft.

1. April, 1895 AD
Wir brechen in den Morgenstunden mit einer Handelskarawane auf zum Tanganyikasee. Der Tross besteht aus schwer bepackten Maultieren und beinahe ebenso schwer bepackten Lastenträgern, allesamt Eingeborene und nur zwei von ihnen sprechen Englisch. Ich danke Sankt Christophorus, das auch für uns Maultiere zum Reiten bereitstehen. Ich wäre sonst keine zehn Meilen weit gekommen, fürchte ich.
Am Abend erweist sich die Zeltaufteilung wieder als komplizierter als gedacht. Miss O’Sheehan und Lady Sofia teilen sich eines, Mosley und de me Lune wünschen Einzelzelte und Finnigan bestand darauf, sein Lager im das Gepäckzelt aufzuschlagen. Irgendetwas stimmt bei ihm auch nicht. Das ist mehr als nur der Wunsch nach Privatsphäre. Er ist nicht der einzelgängerische Typ und seine Gründe für Einzelunterkunft klingen sehr fadenscheinig. Im Auge behalten.

4. April, 1895 AD
Wir kommen schleppend voran, die neuen englischen Straße haben wir längst hinter uns gelassen und kämpfen uns nun durch das Dickicht. Die Mücken und die Hitze sind unerträglich. O’Sheehan scheint jedoch noch mehr zu leiden als ich. Bis zum Hals hat sie sich eingepackt, um den verbrennenden Sonnenstrahlen und den Moskitos zu entkommen. Dafür klebt ihr das Haar schweißdurchnässt an der blassen Stirn.
Unsere eingeborenen Führer erklären uns so viel irgend möglich. Sie bringen uns bei, wie man hier draußen Wasser findet und erzählen allerlei über die Tiere und ihre Stämme. Zumindest die zwei Englischsprechenden sind auch Christen.



[Anmerkung: Unterstrichene Worte sollen durchgestrichen sein.]
07.April, 1895 AD
Mr Mrs Finnigan. So einiges klärt sich nun. Die hilfesuchende doch kryptische Beichte, die Heimlichtuerei. Ein Mr Quentin Finnigan existiert nicht. Es gibt nur eine Jane Finnigan, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Ehemann ist. Eine Schriftstellerin, die unter männlichem Pseudonym veröffentlicht und hinter männlicher Maske mehr Hilfe bekam.
Was soll ich dazu sagen? Ihr Motiv ist wohl das ehrenvollste überhaupt, doch heiligt der Zweck die Mittel? Ist es zulässig, dass man mit falschen Vorgaben andere Menschen dazu treibt, sich so zu verhalten wie es eigentlich angemessen wäre? Ich kann Mrs Finnigans Taten nachvollziehen, ich verstehe was sie zu solch extremen Mitteln getrieben hat. Ich kann sie nicht dafür verurteilen, egal was die Heilige Schrift dazu sagt. Sie kam zu mir und hat gebeichtet und um Hilfe gebeten. Ich werde ihr helfen wo ich kann, doch trotzdem kann ich diese Scharade nicht gutheißen. Sie hatte gute Gründe für ihre Taten, doch nun muss sie dem ein Ende bereiten.
Zunächst sollte sie mit dem Rest unserer Gemeinschaft ins Reine kommen, doch sie sträubt sich, Lady Sofia und Mlle de me Lune davon zu erzählen, aus Angst um ihren Ruf. Ich muss zugeben, dass diese zwei Damen ein etwas loses Mundwerk besitzen und deutlich mehr in den höheren Kreisen der Gesellschaft unterwegs sind als, sagen wir, Mosley und ich. Doch dies ein Problem, dem wir uns stellen müssen wenn wir nach London zurückgekehrt sind.
Finnigan wird zwar fürs Erste in Ermangelung passender Garderobe weiterhin seine ihre Herrenkleidung tragen, doch zumindest den lächerlichen angeklebten Schnauzbart hat sie abgelegt.

20. April, 1895AD
Die Eingeborenen sind uns überaus dankbar, dass wir Sie von „Leopold“ erlöst haben. Die bestehen darauf, ein Fest in unseren Ehren zu veranstalten und wollen uns als Teil des Stammes aufnehmen. Diese Primitiven scheinen doch aufrichtige Menschen zu sein, auch wenn ihre Methoden doch sehr barbarisch sind. Ihr Initiationsritus besteht aus dem Einritzen einer Glyphe in den Arm. Ich lasse es über mich ergehen, wenn es bedeutet, dass ich einen besseren Kontakt zu ihnen aufbauen kann. Denn nun, dass wir Ehrenmitglieder des Stammes sind, habe ich einen besseren Zugang zu ihnen und versuche, das Wort Gottes zu diesen Wilden zu tragen.
Je mehr ich erzähle, und je mehr sie mir wiederum von ihren eigenen schamanistischen Vorstellungen erzählen, desto mehr ergeben ihre Ausführungen ein bekanntes Bild.
Wie kann es sein, dass diese abgeschotteten Wilden aus den Tiefen des afrikanischen Dschungels von einem allmächtigen Schöpfer und seinem auf die Erde herabgestiegenen Sohn wissen? Gottes Liebe für seine Geschöpfe scheint wahrlich grenzenlos, denn er hat sich auch diesem kleinen Stamm offenbart.
Ich entdecke immer mehr Parallelen. Wie auch die Israeliten es waren, sind sie ein kleines, bescheidenes Volk das von einer kaltherzigen Übermacht unterjocht wird.

16. Mai, 1895 AD
Endlich finden wir uns wieder zurück in London. Fast ein Monat ist vergangen seit unserem Aufbruch. Mr Rashford ist in der Tat begeistert von den drei Präparaten, die ich aus den Krokodilen extrahieren konnte und auch er hält seinen Teil der Abmachung: Die Implantation des Prototyps und der weiteren Exemplare, doch ein einziges scheint zu genügen: Der Rest der Herrschaften ist sichtlich abgeschreckt vom dem Gedanken an Rippertech. Ich kann es ihnen nicht verübeln, ganz im Gegenteil. Ich bin äußerst erleichtert, dass sie sich nicht verlocken lassen. Rippertech ist gefährlich, für den Körper wie den Geist. Gerade den arkanen Damen rate ich dringend davon ab, zu solchen Mitteln zu greifen. Zu viele Fälle aus den Anfängern der Rippers sind bekannt, in denen die Kombination von dieser Technologie und Magischen Kräften zu abscheulichen Resultaten führten. Ihr Geist ist so schon strapaziert genug. Und wer weiß schon, wie Mosleys Transformation durch Rippertech beeinflusst werden könnte? Er ist ein Wolf Gottes, gesegnet und vom heiligen Joseph höchstpersönlich geleitet. Nicht auszudenken wie diese Segnung mit lästerlichen Verfahren wie diesem interagieren würde.
Doch ich darf nicht darf nicht auf diese Gabe verzichten, so sehr es mich auch anwidert. Ich bin der Schild dieser Gruppe, der Schild der Menschheit. Ich werde diese Last auf meine Schultern nehmen. Die Methode mag abscheulich sein, doch ebenso abscheulich sind unsere Feinde.
Mein Herz ist nicht rein, ganz im Gegenteil. Die Sünde des Vatermordes lastet auf meiner Seele als schwarzes Mal. Nie werde ich es ausgleichen können. Meine Seele ist ohnehin verloren.

17.Mai, 1895 AD
Gegen Vormittag poltert es plötzlich an der Tür. Wir haben einen neuen Gast: einen gewissen Lord Arthur Blackadder. Offensichtlich Schotte, reich und ungestüm. Der Herr berichtet, dass er uns aufgrund seiner Leidenschaft für die Großwildjagd gern nach Afrika begleitet hätte, aber zu spät davon erfahren hatte. Er ist ein Mann, der nicht viel auf Stand und Formalitäten legt, soviel wird schnell offensichtlich. Auch das Herz hat er an der richtigen Stelle. Ich weiß trotzdem noch nicht so recht, was ich von ihm halten soll. Der Kampf gegen die Kreaturen der Dunkelheit ist keine Lapalie, kein Hobby dem man nachgeht nur, weil die Jagd auf Löwen und Tiger nicht mehr berauschend genug ist. Doch wenn er sich uns anschließen soll, dann ist er gerne willkommen. Eine aufrichtige Seele auf unserer Seite in diesem Kampf weise ich nicht ab. Zudem kommt noch hinzu, dass er offensichtlich Zugriff auf beachtliche finanzielle Mittel verfügt. Dies ist kein Grund für seine Aufnahme, aber ein zusätzlicher Vorteil. Besonders jetzt da wir uns nach einer neuen Lokalität umsehen die besser als Loge geeignet ist als Anabelles Unterschlupf.
In unserer aktuellen Loge fehlt definitiv eine passable öffentliche Fassade, an die Gäste eingeladen werden können und private Räumlichkeiten für die einzelnen Streiter sind auf lange Sicht auch unabdingbar.

Mr Finnigan entschuldigte sich alsbald um vor dem Abend noch einige Vorbereitungen zu tätigen. Sie hat Miss O’Sheehan und mich zu einem Abendessen eingeladen, um noch einmal ein klares Gespräch zu führen. Wir wurden leider in der Loge durch Mr Arthurs Auftauchen jäh unterbrochen.

Zusammen mit Mr Arthur mache ich mich auch bald auf den Weg. Er möchte sein Reisegepäck in die Loge verlegen und ich muss einmal wieder zum Schmied. Es geht wieder zu Mr Wayland, der auch mein Kettenhemd angefertigt hat. Vor der Afrika-Reise habe ich bei ihm noch eine Spezialanfertigung in Auftrag gegeben.
Waylands Versprechungen waren keine Untertreibung. Das reine Silber der Klinge schimmert fast bläulich. Und es ist genau so stabil wie ein Stahlschwert. Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Es ist schlicht, aber meisterlich gearbeitet. Die Klinge im italienischen Stil ist noch schmal genug um sich ähnlich wie ein Rapier führen zu lassen aber immer noch massiv genug für vernichtende Hiebe. Und die Gravur entlang der Hohlkehle… „Deo vindice.“



04. Juni, 1895 AD, Montag

Erneut mussten wir beim Adel vorstellig werden und um Geld betteln. Ich verstehe die Notwendigkeit, und dennoch ärgert es mich. All diese Leute sind großtuerische Herren die denken, sie hätten die Welt verstanden. Herren, die denken man könne die Welt einfach kaufen, wenn man genug Geld hat. Sie behandeln Reichtum wie eine Tugend, obwohl die meisten von ihnen nichts dafür getan haben außer in die richtige Familie geboren zu werden. Und die wenigen anderen, die ihren Reichtum selbst erarbeitet haben, haben dies auf Kosten unzähliger schuftender Arbeiter gemacht.
Auf den ersten Blick mag der werte Lord Arthur Blackadder eine Ausnahme sein. Bescheiden, herzlich und sich nicht zu schade, Seit an Seit mit dem einfachen Volk zu stehen. Andererseits… Wenn Gott ihn schon mit so großem Glück wie einer Diamantenmine segnet, sollte er nicht mehr damit anfangen? Mir scheint, er nutzt seinen unverhofften Reichtum allein um seine eigenen Launen zu befriedigen.
Oder bin ich vielleicht zu vorschnell mit meinem Urteil? Er hat das Herz am rechten Fleck und ist sofort zur Stelle wenn es darum geht, der Kabale die Stirn zu bieten. Er finanziert uns zu großen Teilen unsere eigene Loge. Er hat seine Kontakte im House of Lords sinnvoll zu unserem Vorteil genutzt. Ich sollte ihn nicht sofort in die gleiche Kiste werfen wie den restlichen dekadenten Adel.

Und was ist mit Finnigan und O’Sheehan? Sie haben mein Vertrauen und meine Loyalität verdient, doch was bedeutet dies für mich und meine Verantwortung den Hexenjägern gegenüber? Dem Orden von St George, den Rippers überhaupt? Es gibt einen Grund dafür, dass sie die Geschehenisse unter den Rippers so scharf beobachten. Es gab genug Verräter und Ketzer in unseren eigenen Reihen, um die harten Maßnahmen zu rechtfertigen. Es mag noch mehr geben, die versteckt unter uns lauern. Jene mit guten Absichten und jene, die bewusst der Kabale dienen. Wer von beiden ist gefährlicher?
Doch ich werde nicht meine Gefährten ausliefern ohne dies zu hinterfragen. Nicht ohne einen Schuldbeweis. Ich behaupte nicht, mehr über die arkanen Mächte zu wissen als Serious Chapel, und ich stelle auch nicht seine Doktrin in Frage, doch ich weiß mehr über diese zwei Personen als er.
Ich fühle mich, als ob ich mich auf einen Scheideweg zubewege. Zur einen Seite führt der Pfad den ich seit meiner Jugend beschritten habe. Der kompromisslose Kampf gegen Hexerei und dunkle Künste. Der alte Weg, der bewährte Weg, stabil und gut befestigt Für jeden Zweifel gibt es Hilfe. Der Weg, der Sicherheit für die Organisation und Schutz vor Korrumpierung bedeutet.
Auf der anderen Seite liegt ein neuer Pfad. Ein Pfad mit unbekanntem Ziel und unbekannten Weggefährten. Es ist ein Weg, der all meine Überzeugungen niederreißt und meinen Glauben stärker denn je auf die Probe stellt. Es ist ein Weg, der womöglich direkt gegen die etablierten Lehren geht. Es wird ein steiniger, beschwerlicher Weg, doch er bringt auch Hoffnung. Neue Verbündete, neue Waffen, neue Möglichkeiten im Kampf gegen die Finsternis.
Noch muss ich die Entscheidung nicht fällen, doch sie kommt unaufhaltsam näher.
Matthäus 7,14: „Und die Pforte ist eng, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und wenige sind ihrer, die ihn finden.“


Ich kann mir den Kopf zerbrechen so lange ich will. Der Druck der Kabale wächst von Tag zu Tag, und dieses Problem ist nicht durch Gebet und Introspektion lösbar. Ein offener Angriff auf ein großes Anwesen und erneut spielt ein ägyptisches Artefakt eine Rolle. Warum den Obelisken sprengen? Was hatte Jellicoe damit zu tun? Gibt es einen Zusammenhang mit den Entführungen von Geschichtsprofessoren? Höchstwahrscheinlich, auch wenn wir bisher kaum Beweise haben. Und wer ist Hakim Jalil? Zu viele Fragen auf die wir keine Antwort haben, doch wir können nicht länger tatenlos zusehen. Mit der neuen Loge haben wir einen hervorragenden Ausgangspunkt für eine beherzte Antwort.



06. Juni, 1895 AD, Donnerstag

Bridgetonshire. Nur eine kleine, unauffällige Gemeinde. Doch gerade an diesen harmlos erscheinenden Orten darf meine Achtsamkeit nicht nachlassen. Der Glaube, dass außerirdische Wesen vom Planeten Mars unsere Erde angreifen ist offensichtlich lächerlich, doch was wie eine alberne Wahnvorstellung erschien hätte beinahe das Leben von zwei Unschuldigen gekostet. Und wer weiß wie viele diesem Kult bereits erlagen? Doch auf kurze oder lange Sicht kann keine gotteslästerliche Gruppierung dieser Art bestehen bleiben. Es war nicht unser Ziel gewesen, diesen Kult zur Rechenschaft zu bringen und doch hat der Herr unsere Schritte auf den rechten Weg geleitet.
Auf dieser Jagd hat sich weiter mein Vertrauen in meine Gefährten gestärkt. Wir arbeiten gut zusammen und haben die Hindernisse auf unserem Pfad ohne große Probleme beseitigen können. Natürlich gibt es Reibereien. Wir sind keine Armee, wo Meinungsverschiedenheiten geahndet werden. Die Disziplin und Verlässlichkeit in gefährlichen Situationen lässt jedoch noch zu wünschen übrig. Ich sorge mich dabei viel weniger um ein Scheitern unserer Pläne, sondern viel mehr um meine Gefährten. Miss O’Sheehan kannte den Plan, und dennoch ist sie leichtsinnig alleine in diese Höhle spaziert! Es grenzt beinahe an ein Wunder, dass sie und wir anderen unversehrt wieder herausgekommen sind. Wissbegier ist nicht die Tugend, für die sie oft gehalten wird.
Keinem der anderen wurde an diesem Abend ein Haar gekrümmt. Es war nicht aus Zorn, dass ich den Kampf gegen die Bestie suchte. Nicht aus Hass auf die Kreaturen der Nacht, sondern aus Liebe und zum Schutz meiner Gefährten. Und mit diesem Schwur haben wir gesiegt. Doch der Bursche im Käfig und ich waren durch den Werwolf gezeichnet worden. Was würde nun also mit uns geschehen? Es gab nur eine Möglichkeit. Wir würden die Nacht gefesselt und im Gebet verbringen und bei jeglichem Zeichen des Wolfsfluchs würden Arthur und Mosley unseren Leben ein Ende setzen.
Ich sah vor mir meine vergangenen Taten. Ich habe unverzeihliche Sünde begangen, grässliche Taten vollbracht. Meine Seele ist schwarz und ich werde sie nie reinwaschen können. Doch ich suche den Pfad Gottes zu jeder Zeit und ich folge seinem Weg so gut es mir möglich ist. Wenn der Herr mich nicht als würdig erachtet, dann soll es so sein. Jede Strafe, die er mir auferlegt, ist rechtens. Ich lege mein Schicksal in seine Hand.
Ich habe wohl noch nie dem Tod so lange und eindringlich in die Augen geblickt wie in der letzten Nacht. Doch es scheint, meine Zeit war noch nicht gekommen. Der Herr hielt seine schützende Hand über mich.



[Anmerkung: Unterstrichene Worte sollen durchgestrichen sein.]
07.April, 1895 AD
Mr Mrs Finnigan. So einiges klärt sich nun. Die hilfesuchende doch kryptische Beichte, die Heimlichtuerei. Ein Mr Quentin Finnigan existiert nicht. Es gibt nur eine Jane Finnigan, die auf der Suche nach ihrem verschollenen Ehemann ist. Eine Schriftstellerin, die unter männlichem Pseudonym veröffentlicht und hinter männlicher Maske mehr Hilfe bekam.
Was soll ich dazu sagen? Ihr Motiv ist wohl das ehrenvollste überhaupt, doch heiligt der Zweck die Mittel? Ist es zulässig, dass man mit falschen Vorgaben andere Menschen dazu treibt, sich so zu verhalten wie es eigentlich angemessen wäre? Ich kann Mrs Finnigans Taten nachvollziehen, ich verstehe was sie zu solch extremen Mitteln getrieben hat. Ich kann sie nicht dafür verurteilen, egal was die Heilige Schrift dazu sagt. Sie kam zu mir und hat gebeichtet und um Hilfe gebeten. Ich werde ihr helfen wo ich kann, doch trotzdem kann ich diese Scharade nicht gutheißen. Sie hatte gute Gründe für ihre Taten, doch nun muss sie dem ein Ende bereiten.
Zunächst sollte sie mit dem Rest unserer Gemeinschaft ins Reine kommen, doch sie sträubt sich, Lady Sofia und Mlle de me Lune davon zu erzählen, aus Angst um ihren Ruf. Ich muss zugeben, dass diese zwei Damen ein etwas loses Mundwerk besitzen und deutlich mehr in den höheren Kreisen der Gesellschaft unterwegs sind als, sagen wir, Mosley und ich. Doch dies ein Problem, dem wir uns stellen müssen wenn wir nach London zurückgekehrt sind.
Finnigan wird zwar fürs Erste in Ermangelung passender Garderobe weiterhin seine ihre Herrenkleidung tragen, doch zumindest den lächerlichen angeklebten Schnauzbart hat sie abgelegt.

20. April, 1895AD
Die Eingeborenen sind uns überaus dankbar, dass wir Sie von „Leopold“ erlöst haben. Die bestehen darauf, ein Fest in unseren Ehren zu veranstalten und wollen uns als Teil des Stammes aufnehmen. Diese Primitiven scheinen doch aufrichtige Menschen zu sein, auch wenn ihre Methoden doch sehr barbarisch sind. Ihr Initiationsritus besteht aus dem Einritzen einer Glyphe in den Arm. Ich lasse es über mich ergehen, wenn es bedeutet, dass ich einen besseren Kontakt zu ihnen aufbauen kann. Denn nun, dass wir Ehrenmitglieder des Stammes sind, habe ich einen besseren Zugang zu ihnen und versuche, das Wort Gottes zu diesen Wilden zu tragen.
Je mehr ich erzähle, und je mehr sie mir wiederum von ihren eigenen schamanistischen Vorstellungen erzählen, desto mehr ergeben ihre Ausführungen ein bekanntes Bild.
Wie kann es sein, dass diese abgeschotteten Wilden aus den Tiefen des afrikanischen Dschungels von einem allmächtigen Schöpfer und seinem auf die Erde herabgestiegenen Sohn wissen? Gottes Liebe für seine Geschöpfe scheint wahrlich grenzenlos, denn er hat sich auch diesem kleinen Stamm offenbart.
Ich entdecke immer mehr Parallelen. Wie auch die Israeliten es waren, sind sie ein kleines, bescheidenes Volk das von einer kaltherzigen Übermacht unterjocht wird.

16. Mai, 1895 AD
Endlich finden wir uns wieder zurück in London. Fast ein Monat ist vergangen seit unserem Aufbruch. Mr Rashford ist in der Tat begeistert von den drei Präparaten, die ich aus den Krokodilen extrahieren konnte und auch er hält seinen Teil der Abmachung: Die Implantation des Prototyps und der weiteren Exemplare, doch ein einziges scheint zu genügen: Der Rest der Herrschaften ist sichtlich abgeschreckt vom dem Gedanken an Rippertech. Ich kann es ihnen nicht verübeln, ganz im Gegenteil. Ich bin äußerst erleichtert, dass sie sich nicht verlocken lassen. Rippertech ist gefährlich, für den Körper wie den Geist. Gerade den arkanen Damen rate ich dringend davon ab, zu solchen Mitteln zu greifen. Zu viele Fälle aus den Anfängern der Rippers sind bekannt, in denen die Kombination von dieser Technologie und Magischen Kräften zu abscheulichen Resultaten führten. Ihr Geist ist so schon strapaziert genug. Und wer weiß schon, wie Mosleys Transformation durch Rippertech beeinflusst werden könnte? Er ist ein Wolf Gottes, gesegnet und vom heiligen Joseph höchstpersönlich geleitet. Nicht auszudenken wie diese Segnung mit lästerlichen Verfahren wie diesem interagieren würde.
Doch ich darf nicht darf nicht auf diese Gabe verzichten, so sehr es mich auch anwidert. Ich bin der Schild dieser Gruppe, der Schild der Menschheit. Ich werde diese Last auf meine Schultern nehmen. Die Methode mag abscheulich sein, doch ebenso abscheulich sind unsere Feinde.
Mein Herz ist nicht rein, ganz im Gegenteil. Die Sünde des Vatermordes lastet auf meiner Seele als schwarzes Mal. Nie werde ich es ausgleichen können. Meine Seele ist ohnehin verloren.

17.Mai, 1895 AD
Gegen Vormittag poltert es plötzlich an der Tür. Wir haben einen neuen Gast: einen gewissen Lord Arthur Blackadder. Offensichtlich Schotte, reich und ungestüm. Der Herr berichtet, dass er uns aufgrund seiner Leidenschaft für die Großwildjagd gern nach Afrika begleitet hätte, aber zu spät davon erfahren hatte. Er ist ein Mann, der nicht viel auf Stand und Formalitäten legt, soviel wird schnell offensichtlich. Auch das Herz hat er an der richtigen Stelle. Ich weiß trotzdem noch nicht so recht, was ich von ihm halten soll. Der Kampf gegen die Kreaturen der Dunkelheit ist keine Lapalie, kein Hobby dem man nachgeht nur, weil die Jagd auf Löwen und Tiger nicht mehr berauschend genug ist. Doch wenn er sich uns anschließen soll, dann ist er gerne willkommen. Eine aufrichtige Seele auf unserer Seite in diesem Kampf weise ich nicht ab. Zudem kommt noch hinzu, dass er offensichtlich Zugriff auf beachtliche finanzielle Mittel verfügt. Dies ist kein Grund für seine Aufnahme, aber ein zusätzlicher Vorteil. Besonders jetzt da wir uns nach einer neuen Lokalität umsehen die besser als Loge geeignet ist als Anabelles Unterschlupf.
In unserer aktuellen Loge fehlt definitiv eine passable öffentliche Fassade, an die Gäste eingeladen werden können und private Räumlichkeiten für die einzelnen Streiter sind auf lange Sicht auch unabdingbar.

Mr Finnigan entschuldigte sich alsbald um vor dem Abend noch einige Vorbereitungen zu tätigen. Sie hat Miss O’Sheehan und mich zu einem Abendessen eingeladen, um noch einmal ein klares Gespräch zu führen. Wir wurden leider in der Loge durch Mr Arthurs Auftauchen jäh unterbrochen.

Zusammen mit Mr Arthur mache ich mich auch bald auf den Weg. Er möchte sein Reisegepäck in die Loge verlegen und ich muss einmal wieder zum Schmied. Es geht wieder zu Mr Wayland, der auch mein Kettenhemd angefertigt hat. Vor der Afrika-Reise habe ich bei ihm noch eine Spezialanfertigung in Auftrag gegeben.
Waylands Versprechungen waren keine Untertreibung. Das reine Silber der Klinge schimmert fast bläulich. Und es ist genau so stabil wie ein Stahlschwert. Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Es ist schlicht, aber meisterlich gearbeitet. Die Klinge im italienischen Stil ist noch schmal genug um sich ähnlich wie ein Rapier führen zu lassen aber immer noch massiv genug für vernichtende Hiebe. Und die Gravur entlang der Hohlkehle… „Deo vindice.“
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März - Mai: Leopold
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