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 Paris, 4. Juli 1895 Reverend & Jane

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Laura
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BeitragThema: Paris, 4. Juli 1895 Reverend & Jane   Mo Sep 04, 2017 8:32 pm

04. Juli, 1895
Abend

Reverend Danforth trat an die Tür von Janes Kammer und hob die geballte Hand. Sie verharrte einen Augenblick in der Luft, dann klopfte er an. “Mrs. Finnigan? Ich möchte gern noch einmal mit Ihnen reden.”

Es verging ein kleiner Moment bis aus dem Inneren des Zimmers der Klang von Schritten zu vernehmen war. Einen Augenblick später öffnete Jane bereits die Tür und trat bei Seite um den Reverend einzulassen. Ihre Züge hatten den üblichen, stets ein wenig ernsten Ausdruck, aber ihre Lippen waren vielleicht eine Spur schmaler und der Blick mit dem sie den Reverend bedachte, als sie ihm auffordernd zu nickte, kühler als üblich.

Danforth sah noch immer von den letzten Kämpfen arg mitgenommen aus. Der Schnitt an seiner Schläfe war weitestgehend verheilt, doch um seine Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab. Er neigte leicht den Kopf und humpelte ins Zimmer. “Vielen Dank, dass Sie mir noch einmal Zeit gewähren.” Im Zimmer drehte er sich zu ihr um. Mit der freien Hand stützte er sich auf der Lehne eines Stuhls ab, aber nahm noch nicht Platz. “Ich möchte noch einmal mit Ihnen über unser Gespräch von Gestern und die Rosenkreuzer reden.” Danforth blickte kurz betreten zu Boden. “Meine Ausdrucksweise war ganz und gar unentschuldbar, aber das war nicht das einzige Problem, gehe ich Recht in der Annahme?”

Jane schloss die Tür und deutete nachdem sie sich zu dem Reverend umgewandt hatte fast augenblicklich mit einer kleinen einladenden Geste auf den Stuhl.
Während er sprach, musterte sie Danforth mit festem Blick. Bei seinen Worten hob Jane die Arme, beinah als wolle sie sie vor der Brust verschränken. Doch stattdessen legte sie die Hände auf Taillenhöhe ineinander.
“Nein, da irren Sie sich, Reverend”, begann Jane mit ruhiger Stimme, den Blick unverwandt auf Danforth gerichtet. “Ihre obszöne Unterstellung hätte wohl ausgereicht um jede Frau mit einem Funken Selbstachtung und Anstand zu beleidigen.”

Der Reverend nickte bedächtig und ließ sich schließlich doch auf den Stuhl fallen. Obwohl er es zu vermeiden versuchte, war ihm doch die Erleichterung anzusehen als er sein Bein ausstreckte und das schmerzende Knie rieb. “Ja, da haben Sie wohl recht. Die letzten Tage haben einen hohen Blutzoll gefordert und ich habe mich davon mitreißen lassen. Das hätte nie passieren dürfen.” Er fuhr sich mit der Hand fahrig über das eingefallene Gesicht und sah sie an. “Gibt es etwas, was ich für Sie tun kann, um diese Schmach zu begleichen?”

Jane schüttelte kurz den Kopf. “Ich habe meine Fehler. Aber zu meinem Glück kann ich sagen, dass ich für gewöhnlich kein nachtragender Mensch bin. Sie haben sich bereits einmal entschuldigt und ich habe Ihre Entschuldigung angenommen.”

Er lächelte zwar nicht, doch in den eingesunkenen Augen des Reverends war sichtliche Erleichterung zu erkennen. “Ich weiß nicht, wie viel es bringt, aber ich möchte Ihnen und den Rosenkreuzern dennoch meinen Segen geben. Johann van Helsings Tagebuch wirft zwar mehr Fragen auf als es beantwortet, aber es beweist zumindest, dass die Rosenkreuzer nicht für seinen Tod verantwortlich waren.”

Janes Hände spannten sich bei den Worten des Reverends merklich an. Sie antwortete jedoch nicht gleich, sondern ging zu dem kleinen Tisch hinüber den sie offenbar zu einem Schreibpult umfunktioniert hatte und setzte sich auf den mit altem Stoff überzogenen Stuhl.
“Was genau meinen Sie damit, Sie würden mir Ihren Segen geben?”

Der Hauch eines Schmunzelns umspielte seine Lippen. “Ihnen und allen Rippern die dies wünschen sollten. Und ja, ich habe bereits mit Miss O’Sheehan darüber gesprochen.”

Während das Gesicht des Reverends sich aufhellte, wurde Janes eine Spur dunkler. Sie hatte jetzt die Stirn gerunzelt und wandte den Blick zu dem kleinen Spiegel auf Abbys Seite des Zimmers, der ein gutes dutzend Risse aufwies.
Stille breitete sich für einige Sekunden aus, ehe Jane sich wieder an Danforth wanderte. “Reverend, was glauben Sie warum ich den Rosenkreuzern beigetreten bin? Zu welchem persönlichen Zweck?”

Der Reverend ließ sich Zeit mit seiner Antwort. Er lehnte sich zurück und musterte sie mit zusammengekniffenen Augen. Langsam begann er zu erzählen. “Als Sie ein Kind waren, haben sich Ihre Kräfte aus dem Nichts bei Ihnen manifestiert. Sie wussten nicht, was mit Ihnen vor sich ging. Wenn überhaupt, haben Sie nur wenigen Vertrauten davon erzählt. Vielleicht hat man Ihnen gesagt, Sie seien krank. Sie haben versucht, ernst genommen zu werden. Sie haben versucht, herauszufinden was mit Ihnen nicht stimmt. Es muss eine Zeit der Unsicherheit gewesen sein, die Unsereins kaum nachvollziehen kann.” Er machte eine Pause und schüttelte nachdenklich den Kopf. “Und jetzt erfahren Sie plötzlich, dass es andere Menschen gibt, die womöglich Ihr Schicksal teilen. Die Ihnen sagen können, was Sie sind und warum. Und gleichzeitig hören Sie, dass damit Ihr Leben aufs Spiel setzen könnten, wenn Sie der Spur nachgehen. Trifft es das?”

Je länger der Reverend sprach, desto mehr wich die Anspannung aus Janes Zügen und ihrer Haltung. Hin und wieder nickte sie, was wohl Zustimmung ausdrücken sollte.
“Zum Teil ja, aber nicht ganz Reverend wir kennen uns jetzt beinahe ein halbes Jahr. Ich habe seit einem halben Jahr begonnen das, was sie als Kräfte bezeichnen, einzusetzen. Während Sie und ich hier sitzen, könnte ich Ihre Gedanken lesen. Vielleicht würden Sie es noch nicht einmal bemerken, dass ich das tue. Ich könnte Sie glauben lassen, dass Sie stärker seien als Sie tatsächlich sind und vielleicht würden Sie für einige Minuten Ihr Bein wieder wie früher gebrauchen können. Ich könnte das Bettgestell gegen die Wand schlagen oder beinahe ein dutzend Leute auf der Straße innehalten lassen weil ich ihren Verstand verwirre.”
Während dieser kleinen Rede war Jane aufgestanden und hatte begonnen in dem kleinen Raum auf und ab zu gehen. Als sie geendet hatte, blieb Jane stehen und suchte den Blick des Reverends. “Ein halbes Jahr, Reverend. Es war nur ein halbes Jahr. Und was mich davon abhält all dies zu tun, ist mein Gewissen, meine Moral; kurz gesagt meine Beherrschung. Die Beherrschung meiner selbst und dieser seltsamen Kräfte die beharrlich stärker geworden sind. Was glauben Sie was ich vielleicht in einem Jahr tun kann oder in fünf Jahren, wenn wir dann alle überhaupt noch am Leben sind. Ich kann mir nicht leisten die Beherrschung zu verlieren.”

“In Ihnen wächst eine unbeschreibliche Macht heran. Eine Macht, die mir Angst bereiten.” Er stützte sich auf seinen Stock und lehnte sich vor. Mit einer leisen, ruhigen Stimme, kaum mehr als einem Flüstern, begann er:“Ich habe Angst vor Ihnen und Ihren Kräften. Viele sehen es nicht, aber Ich kann erahnen, welche Gefahr in Ihnen lauert. Ich hatte gehofft, dass sie nicht weiter wächst wenn man sie in Ruhe lässt. Wenn man Mäßigung walten lässt.” Seine eisigen Augen blickten sie durchdringend an. “Doch wie es scheint, war meine Hoffnung vergebens.” Er fuhr sich erneut fahrig mit der Hand über die Augen. “Serious Chapel und die Georgianer würden andere Methoden empfehlen, aber Sie haben oft genug bewiesen, dass Ihr Herz am rechten Fleck sitzt.” Er seufzte. “Und ich könnte nie zulassen, dass Ihnen etwas zustößt, egal ob durch die Rosenkreuzer oder die Georgianer.”


Jane ließ sich wieder auf dem zweiten Stuhl im Zimmer nieder, nun fast wieder auf Augenhöhe mit dem Reverend. Sie hatte die Hände in ihrem Schoß gefaltet.

Zunächst hatte Jane den Blick des Reverends fest erwidert. Offenbar ließ sich weder durch seine Worte noch die Botschaft seiner Augen aus der Ruhe bringen. Stattdessen nickte sie bedächtig. “Ob Sie es glauben oder nicht, mir macht es auch Angst. Ich weiß nur, dass ich nicht zulassen kann, dass meine Fähigkeiten mich beherrschen, sondern dass es umgekehrt sein muss. Und bei den Rosenkreuzern sind Menschen die mich davor bewahren können, die Kontrolle über diese Kräfte zu verlieren.”

“Ich weiß,” sagte er in einem beruhigenden Ton und legte ihr eine Hand auf die Schulter, “Ich weiß. Alle Siege der Welt sind wertlos, wenn wir nicht mit uns selbst ins Reine kommen. Ich hoffe wirklich, dass Sie bei den Rosenkreuzern finden was Sie suchen.”

Nach einer kleinen Pause, vielleicht einem Zögern, legte Jane ihre Hand auf die des Reverends und drückte kurz, aber fest zu ehe sie sich wieder davon löste.

Ihr Blick war auf Abbys Bett gerichtet, doch sie schien es nicht wirklich zu sehen. Die klaren, grauen Augen starrten für ein paar Momente ins Nichts der tiefsten Gedanken. Dann war es auch schon wieder vorbei und Jane wandte sich an zurück an Danforth.

“Haben Sie auch mit Miss O’Sheehan über Ihre Beweggründe gesprochen?”

Der Reverend löste seine Hand von Jane und nickte bestätigend. “Ja. Ich muss sagen, dass ich mich deutlich wohler fühle, wenn Sie dort nicht alleine hin geht. Passen Sie auf sie auf, sie ist ja noch fast ein Kind.” In seiner Stimme lag Besorgnis.

Jane seufzte leise. “Das tue ich immer. Genau wie Sie fühle ich mich nämlich in gewisser weise für unsere junge Freundin verantwortlich.”, erwiderte sie ruhig. Ehe sie fortfuhr, suchte sie den Blick des Reverends. “Ich möchte nicht, dass Sie meine Frage falsch verstehen, denn ich erwarte keine Antwort mit der Sie das Beichtgeheimnis verletzen würden. Aber hat Miss O’Sheehan mit Ihnen über die Menschen gesprochen die sie getötet hat?”

“Leider nein,” Er schüttelte vorsichtig den Kopf, “Damit ist sie nicht zu mir gekommen.” Er blickte betroffen zu Boden. “Ich habe Sorge, dass sie diese Gefühle in sich aufstaut. Daraus kann nichts Gutes entstehen.”

“Sie versucht nicht daran zu denken. Sie versucht die Schrecken, die all das hier mit sich bringt nicht an sich heranzulassen in dem sie all das verdrängt.”

Nachdenklich zog Jane ihren Ehering ab und begann ihn spielerisch zwischen ihren schlanken Fingern zu drehen.

“Ihre Macht ist emotionsgebundener als Meine”, begann Jane behutsam. “Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann sind es starke Gefühle die sich auf irgendeine Art manifestieren. Es ist Instinkt. Es ist mehr als das, aber es ist so anders als das was ich tue, dass ich es kaum beschreiben kann.”

Sie schob den Ring wieder an seinen Platz.

“Was ich sagen will, ist, dass ich Ihre Sorgen teile.”

“Hmmm…” Der Reverend nickte bedächtig. “Ein Grund mehr, sie noch einmal bei Seite zu nehmen. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ihr deswegen etwas zustoßen würde.”

Auch Jane nickte, doch mehr zu sich selbst. Tiefe Sorgenfalten begannen sich um ihren Mund herum ab zu zeichen und zogen sich wie die Wurzeln eines Baumes bis zu ihrer Stirn hinauf.

Sie schwieg, atmete dann ein wenig lauter aus als üblich und griff sich dabei unwillkürlich an die Seite, wo sie unter Bluse und Korsett verborgen noch ihre eigenen Überreste der Kämpfe mit sich herum trug.

“Reverend-”, Jane schwieg wieder. Sie schloss kurz die Augen. “Darf ich Ihnen einen gutgemeinten Rat geben?”

Danforth runzelte die Stirn und sah sie etwas misstrauisch an. Er machte eine angedeutete, einladende Handbewegung. “Bitte.”

“Nur, seien Sie vorsichtig. Geben Sie bitte Acht darauf wie Sie mit ihr umgehen.”

Er nickte, die Stirn noch immer gerunzelt. “Natürlich. Ich werde besonders darauf achten.” Er stützte sich auf seinen Stock und schickte sich an aufzustehen, doch er verharrte.

“Reverend, haben Sie verstanden, was ich meine?” Jane ließ Danforth nicht aus den Augen und versetzte ihm einen langen, bedeutungsschweren Blick.

Danforth kniff die Augen zusammen. “Sie reden nicht von ihren Fähigkeiten, sehe ich das richtig?”

Jane seufzte leise und strich sich über die Augen, bevor sie sich auf ihrem Stuhl wieder aufrichtete und die Hände im Schoß faltete.
“Nein”, sie schüttelte kurz den Kopf. “Nein, ich rede nicht von ihren Fähigkeiten. Ich rede von bedeutsameren Dingen. Es gibt mehr als einen Weg jemanden zu verletzten und ein junges Mädchen ganz besonders.”

Er legte den Kopf schief und zog die Stirn in Falten. “Sie meinen doch nicht etwa-”

Jane nickte. “Ich hege seit einer Weile den Verdacht und leider muss ich sagen, dass ich so meine Erfahrungen mit jungen Mädchen habe.” Besorgt musterte sie den Reverend. “Vielleicht sollten Sie sich wieder setzen.”

Der Reverend ließ sich wieder auf seinen Stuhl fallen. Er hob die Augenbrauen und öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber es kam zunächst nicht mehr heraus als “Puh…” Dann riss er sich zusammen und beugte sich vor. “Sind Sie sicher?”

Bei aller Beherrschung entglitten Janes Züge ihr für einen winzigen Moment. Sie rollte kurz mit den Augen und ihre Nasenflügel blähten sich.
“So sicher, wie man sich in diesen Angelegenheiten sein kann”, antwortete sie dann und beugte sich ein wenig nach vorne. “Reverend, lassen Sie mich eins bitte sagen, die Welt wird nicht aufzuhören sich zu drehen weil sie einem jungen Mädchen gefallen. Sie war doch mit Sicherheit nicht die Erste.” Jane brach ab, runzelte die Stirn und biss sich auf die Lippe. “Verzeihung, ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.”

“Ja, aber…” er hob fragend die Hände. “Ich… bin ein Mann Gottes. Das weiß Sie doch.”

“Und Henry der Sechste war mit Katharina von Aragon verheiratet, was ihn nicht davon abgehalten sich in Anne Boleyn zu verlieben und die englische Kirche unter sich zu vereinigen. Meine Güte, Reverend-” Jane erhob sich und stemmte die Hände in die Hüften. “Reißen Sie sich ein wenig zusammen! ”

Beim Anblick des Reverends wurde ihre Stimme weicher.

“Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Erster Korinther Brief, 13:2. Das steht auch in der Bibel. Gott wird sich schon was dabei gedacht haben.”

Ihr Blick ruhte voller Mitleid auf dem ein wenig ratlosen Reverend.

Danforth legte die Stirn in Falten und verschränkte die Arme. “Ach ich bitte Sie, kommen Sie mir nicht mit Geschichte. Sie wissen genau was ich meine.” Er stemmte sich in die Höhe “Ich habe ein Gelübde fürs Leben abgelegt, so etwas tut man nicht leichtfertig.” Er hob die linke Hand und zerschnitt mit ihr energisch die Luft zwischen ihnen.

Jane hob eine Braue. “Ich würde es vorziehen, nicht missverstanden zu werden, Reverend.” Sie betonte das letzte Wort über deutlich. “Weder habe ich so etwas angedeutet, noch würde ich mir anmaßen solche Vermutungen anzustellen was sie betrifft. Also tun Sie uns doch bitte beiden einen Gefallen, setzen Sie sich bevor ihr Bein sie im Stich lässt und hören Sie mir zu.”

Er wandte sich um und warf ihr einen ernsten Blick zu. “Wie soll man denn sonst Ihrer Meinung nach einen Kommentar über ehebrechende Könige verstehen? Hm? Wenn Sie nicht missverstanden werde wollen, dann unterlassen Sie bitte solche Kommentare.”

“Als Hinweis darauf, dass Gott manchmal mehr Geduld mit der Liebe hat als seine Priester”, antwortete Jane und seufzte. “Manchmal glaube ich, die Kirche ist strenger als unser Herr. Der hat offenbar mehr Verständnis für junge Mädchen. Aber lassen wir das.”

Sie ließ den Reverend nicht aus den Augen. Bevor Jane fortfuhr, bedachte sie sein Bein noch mit einem langen Blick. Als er jedoch keine Anstalten machte sich zu setzen, fuhr sie mit weicherer, ruhiger Stimme fort.

“Reverend, wie Sie zu dieser Sache stehen, stand für mich nie außer Frage. Aber ich dachte mir auch, dass Sie vielleicht ein wenig blind sein könnten was Miss O’Sheehan angeht. Eben weil Ihnen allein der Gedanke so abwegig erscheinen mag.”

Danforth hörte Janes Erklärungen geduldig zu und seine Gesichtszüge entspannten sich etwas. Sie blieben ernst, doch der Zorn legte sich. “Dann haben wir wohl deutlich verschiedene Ansichten zur Englischen Geschichte.” Er atmete einmal tief durch. “Und es ist egal, wer die Regeln der Priesterweihe aufgestellt hat, für mich sind sie heilig.” Die Knöchel der Finger, die seinen Stock umklammert hielten, traten weiß hervor. “Maßen Sie es sich nicht noch einmal an, meinen Glauben so zu verunglimpfen.”

“Ich bitte um Verzeihung, es war nicht so gemeint und meine Worte waren unbedarft”, antwortete Jane mit ruhiger Stimme. Ihr Blick huschte wieder zu seinem Bein, und da er sich immer noch stand, setzte sie sich stattdessen selbst hin.

“Das letzte was ich möchte, ist Sie oder Ihre Gefühle beleidigen. Aber können wir vielleicht über den Menschen reden, den keiner von uns beiden mehr als nötig verletzt sehen will in dieser Angelegenheit?”

Er nahm einen tiefen Atemzug und nickte. “Nun gut.” Dann ließ er sich wieder mit einem leisen ächzen auf den Stuhl herab.

Jane seufzte leise und wartete einen Moment ehe sie den Faden des Gesprächs wieder aufnahm.

“Der Grund warum ich mich entschlossen habe Sie darauf anzusprechen und nicht Abby ist schlichtweg der, dass ich so meine Erfahrungen mit den Schwärmereien und der Liebe junger Mädchen habe. Sie neigen dazu taub und blind zu sein und selbst die Klügsten, treffen dumme Entscheidungen. Und vor allem, kann man nicht mit ihnen reden.”

Mit einem behutsamen Lächeln fuhr Jane fort: “Aber meistens, Reverend, ist das auch gar nicht nötig. Es vergeht wieder. Und Mädchen möchten wenigstens hin und wieder unglücklich verliebt sein, wie uns schon Miss Austen gelehrt hat.” Sie schwieg kurz. “Miss O’Sheehan ist kein Schulmädchen mehr. Sie ist eine junge Frau und ihr Herz hat sich scheinbar den Falschen ausgesucht. Vielleicht ist ihr das auch selbst noch gar nicht bewusst. Aber dass sie eine Schwäche für Sie hat, lässt sich leider nicht abstreiten.”

Danforth neigte den Kopf hin und her, als würde er verschiedene Gedanken in seinem Kopf abwägen. “Hmm…” Schließlich wandte er den Blick wieder Jane zu. “Ich werde auf sie und ihre Unternehmungen haben. Vielleicht kommt sie ja zur Vernunft.”

“Ich weiß, dass es vergebens ist, aber versuchen Sie sich nicht zu viele Gedanken zu machen, Reverend.” Jane warf ihm einen ernsten Blick zu. “Seien Sie nur, behutsam was Miss O’Sheehan angeht und versuchen Sie bitte sich nichts anmerken zu lassen.”

Der Mann hob eine Augenbraue. “Selbstverständlich. Ich werde schon zurechtkommen. Ich mache mir eher Sorgen, dass sie leichtsinnig handelt und sich selbst damit in Gefahr bringt. Gerade in einem Kampf will ich sie nicht mehr Risiken aussetzen als irgend nötig.”

Jane erwiderte die erhobene Augenbraue mit dem Anflug eines Lächelns. “Ich weiß”, erwiderte sie und sah den Reverend schweigend noch eine Weile an.
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